Segelturn – Ferngesteuert über den Strand
von Redaktion • 12.7.2010 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellenFanø – das ist erst einmal Drachenfliegen pur. Und ganz gewiss auch Buggyfahren. Für Hartgesottene kommt vielleicht noch Kitesurfen hinzu. Und ansonsten? Die Liste der Freizeitaktivitäten am Strand muss in diesem Jahr um einen weiteren Spaßfaktor ergänzt werden: das RC-Landsegeln.

Siegerfoto des Best KAP-Photo during KAPiNED/10

Zwei Servos und der Empfänger finden ihren Platz im Rumpf

Hinzu kommt noch die Empfänger-Stromversorgung

Die Reifen versprechen viel Grip auf Sand

Da das ursprüngliche Grau des Kunststoffsegels nicht gefiel, wurde kurzerhand ein neues schickes aus Spinnaker genäht. So wird es auch den Ansprüchen von Drachenfliegern gerecht
Dabei ist die Geschichte der Strandsegler zugegebenermaßen gar nicht mal so neu. Bereits 1998 wurde im Schaufenster eines Modellbauladens der Bausatz eines deutschen Herstellers entdeckt. Das Kind im Manne war geweckt und der Bausatz landete wenig später in der heimischen Werkstatt. Beim Kitefliers Meeting auf Fanø rollte der Segler dann zum ersten Mal über den Strand. Zwar noch ein wenig behebig und schwerfällig, aber es funktionierte. Ein Anfang war gemacht.
Von der lahmen Schnecke …
Dann geriet die Sache erst einmal in Vergessenheit, bis im letzten Jahr eine Gruppe von Franzosen zum Kitefliers Meeting kam. Mit im Gepäck: Strandsegler der Extraklasse. Keine Rede mehr von dem langsamen Modell anno 1998, jetzt hatten die Gefährte richtig Speed drauf. Die Franzosen fuhren auf Fanø sogar eine Regatta.
Daheim angekommen wurde erst einmal das Internet nach näheren Informationen zum Thema untersucht und herausgefunden, dass sich in den letzten zehn Jahren tatsächlich eine richtige RC-Strandsegler Szene entwickelt hat. Sogar einzelne Wettbewerbsklassen gibt es mittlerweile: S1, S2 und S3.
… zum Rennwagen
Während bei einer Yacht der Klasse S1 die maximale Masthöhe auf 100 Zentimeter begrenzt ist, darf dieser bei einem S2 Modell 150 Zentimeter betragen. In der Klasse S3 schließlich gibt es gar keine Begrenzungen mehr und der Strandsegler darf nach eigenen Ideen gebaut werden.
Weitere Recherchen im Internet führten zu einem pensionierten Modellbauer in den USA, der Bausätze von S1- und S2-Yachten anbietet. Robert Weber ist eigentlich Deutscher, der die ersten 30 Jahre seines Lebens in und um München verbrachte. Erst in den 70er-Jahren entschied er sich, in die USA auszuwandern und dort ein Automobilhaus für VW und Porsche zu übernehmen. Zeit seines Lebens interessierte sich Robert Weber für den Modellbau. Erst durch Fesselflugzeuge, später dann auch RC-Autos. Durch seine Werkstatt und aufgrund seiner Liebe für das Hobby entschloss er sich eines Tages, einen Strandsegler zu bauen. Wie sich herausstellen sollte, war dies der Beginn einer großen und erfolgreichen Leidenschaft, die der Deutsch-Amerikaner gleich dreimal mit dem Sieg bei der Americas Cup Regatta für Strandsegler krönen konnte. Im Jahr 2000 zog sich Robert Weber aus dem aktiven Erwerbsleben zurück und konzentrierte sich wieder mehr auf den Modellbau – diesmal in Form von ferngesteuerten Strandseglern. Nach einigen E-Mails stand schnell fest – der nächste Strandsegler sollte einer aus dem Hause Weber werden. Und zwar einer der Klasse S2, denn mit 150 Zentimeter Masthöhe kann er am Strand von Fanø nicht übersehen werden.
Innenleben
Kurze Zeit später brachte der Postbote das ersehnte Paket aus den USA und schnell wurde sich ein erster Überblick über den Bausatz geschaffen. Der Rumpf des Strandseglers war bereits vorgefertigt, die Ausschnitte für Akku, Empfänger und die beiden Servos fertig ausgesägt. Alles was hier gemacht werden musste, war die Lakierung des Holzes. Das Rumpfboot besteht aus einer tiefgezogenen, durchsichtigen Schale, die ebenfalls noch zu lackieren war. Also wurden im ersten Arbeitsschritt sämtliche Beschläge demontiert und der gesamte Rumpf lackiert.
Dann ging es an die Montage der RC-Komponenten. Da der Rumpf bereits einen hohen Vorfertigungsgrad aufwies, konnte dies in nur wenigen Stunden erledigt werden. Einfach die Standardservos an ihren Platz befestigt, Akku montiert und Empfänger mit viel Schaumstoff in die vorgesehene Aussparung gedrückt. Das war es dann schon. Jetzt noch die Feinjustage des Bugrads und dieser Teil der Arbeit war erledigt.
Pimp my Strandsegler
So sehr die gute Qualität des Baukastens begeisterte, ein wenig enttäuschte das Segel. Dieses lag zwar fertig dem Baukasten bei und musste lediglich noch am, ebenfalls vormontierten, Mast befestigt werden. So ganz überzeugte dies indes nicht. Das Segel besteht aus einem sehr kräftigen und steifen Kunststoff und erfüllt sicherlich seinen Zweck. Für Drachenflieger, die die unterschiedlichsten Farben von Spinnaker gewohnt sind, macht die graue Farbe aber nicht viel her. Also wurde noch schnell ein eigenes Segel mit etwas ansprechenderem Design genäht. Hierzu diente das Original aus Kunststoff als Vorlage, um ein neues Segel aus Spinnaker zu fertigen. Letzteres wurde in Sandwich-Technik hergestellt und erhielt zwecks besserer Versteifung noch ein paar Verstrebungen aus GFK.
So gewappnet konnte beim kommenden Aufenthalt auf Fanø nichts mehr schief gehen. Und wirklich – der neue S2-Segler ist kein Vergleich zur ersten Version von vor zwölf Jahren. Hier geht wirklich die Post ab und es macht Spaß, über den Strand von Fanø zu heizen. Was fehlt sind noch ein paar Gleichgesinnte für eine Regatta. Aber wer weiß, vielleicht gibt es im nächsten Jahr beim Kitefliers Meeting ein paar RC-Strandsegler mehr, um die erste Regatta auszufahren.
Text und Fotos: Ralf Dietrich




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