In die Luft gebaut – Die Welt von Anna Rubin
von Redaktion • 6.5.2009 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellenAls Kind hat sie versucht, in der Luft zu schwimmen, um zu fliegen. Heute baut Anna Rubin Drachen – aber nicht irgendwelche. Jedes ihrer Objekte ist ein Kunstwerk für sich, gefertigt aus den Materialien, die ihr die Natur bieten. In Sport & Design Drachen berichtet die Künstlerin, wie sie sich ihren Traum vom Fliegen erfüllt hat.


Für die Drachenbaukunst von Anna Rubin sind weder Lineal noch komplizierte Berechnungen nötig. Das Augenmaß entscheidet

Aus Papier und Bambus ist dieses Flugobjekt entstanden

Jeder Drachen ist ein Kunstwerk für sich

Anna Rubin reicht das Material der Natur für ihre Drachen aus. Dieser wurde aus Gras gefertigt
Das Thema Fliegen beschäftigt mich schon lange. Viele meiner Bilder sind aus der Vogelperspektive gemalt, meine Objekte und Installationen sind leicht, schwebend und stehen in Verbindung mit dem Wind, dem Landschafts- und Himmelsraum. Seit 1999 entwickle ich flugtaugliche Strukturen aus Bambus, Papier und anderen Naturmaterialien, wie Gras und Blätter. Das, was die Natur bietet, sind für mich inspirative Werkstoffe. Wenn ich zum Beispiel Bambus spalte und schabe, beginnt er zu duften. Manchmal ist das Spalten schwierig und manchmal ist es leicht. Während dieser Arbeit entsteht ein Dialog zwischen meinen Händen und dem Material. Eigentlich bauen wir, der Bambus und ich, gemeinsam den Drachen.
Geschichtenerzählerin
Der erste Schritt zur Entstehung eines Drachens ist sein Gerüst, die Linien der Skizze materialisieren sich in der Bambuskonstruktion. Der Auslöser für die Entstehung eines Objekts ist meistens ein Erlebnis, ein Bild, ein Zitat oder ein Wort, das mich bewegt hat. In vielen meiner Drachenkonstruktionen kommen zum Beispiel Kreise vor. Der Kreis steht für einen Menschen. Wo Kreise sich überschneiden, geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und um die Verknüpfung zwischen der Innen- und Außenwelt. Der Kreis ist ein Kosmos, ein Schutz, gebaut aus Bambus. Durch das viele Knoten wird das Bambusskelett zusammengehalten und auch mit ihm verbunden. Das Papier klebe ich dann mit Buchbinderleim auf die Vorder- oder Rückseite der Konstruktion. Es soll die Bambusstruktur nicht „verwischen“, sondern verdeutlichen. Das Papier färbe ich mit Zeichentusche in verschiedenen Schattierungen und hinterlasse dabei Fingerabdrücke auf dem Papier als Spuren meiner Berührung, die der Drachen als Geschichte erzählt.
Oft ist der Präsentationsraum Ausgangspunkt für den Bau eines Drachens. Die Installation „Fensterflügler und Generatoren“ im Jahr 2007 im Schaukraftwerk kelag am österreichischen Wörther See, entstand durch die Inspiration durch die feinsprossigen Fenster und die schweren, gusseisernen Maschinen des Kraftwerks. Ich wählte ein Zitat von Giuseppe Penone, das stellvertretend für die Ausstellung steht: „Eine Ausstellung einrichten, bedeutet: die Menschen an die Decke führen, die Fenster ins Innere des Raumes verlegen, die Oberfläche der Mauer entfernen.“ In der Ausstellung „Bambusskizze“ im Amthof in Feldkirchen 2006 schwebten gespaltene Bambusleisten als dreidimensionale, bewegliche Skizze im Raum. Die letzte Präsentation „Surcando el Cielo“, Franz Mayer Museum Mexico City, 2008, war ein Überblick über meine gesamte Arbeit.
Naturverbunden
Seit 2003 leite ich Workshops für Lehrer, Jugendliche, Familien, Kunst- und Architekturstudenten. In diesen Kursen steht der Wunsch zu fliegen, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz oben. Dieser Gedanke begleitet den gesamten Prozess des Drachenbauens. Kein Lineal, keine Zahlen finden hier Anwendung. Das sind nur unnötige Fehlerquellen. Das Augenmaß sorgt für die Symmetrie der Drachen.
Für meine Arbeit spielen die Natur und die Landschaft, in der ich lebe, eine große Rolle. Wenn ich einen Drachen fliegen lasse, steht er in Verbindung mit dem Ort, doch hinterlässt sein Erscheinen keine Spur. Die Landschaft bleibt wie sie ist.
1972: geboren in Kärnten
1993 bis 2000: Studium in den Fächern Textil und Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien
1998 und 2000: Kunsterzieherpreis der Akademie der Bildenden Künste in Wien
2000: 1. Preis des Kunstdrachenwettbewerbs im Rahmen des Internationalen Drachenfests in Dieppe, Frankreich
Ab 2002: Jurorentätigkeit bei Kunstdrachenwettbewerben
2003 bis 2009: Drachenworkshops in der ganzen Welt




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