Sport & Design Drachen

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Geo Art – KAPen und Archäologie

von Redaktion • 6.5.2010 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellen

Die Luftbildfotografie von archäologischen Fundstellen und Objekten mit dem Drachen (KAP) und dem Teleskopstab (PAP) ist ein selten angewandtes, aber spannendes Verfahren. Denn Luftbilder machen dort Strukturen deutlich, wo dem menschlichen Auge Grenzen gesetzt sind.


Schwieriges Startgelände vom Parkplatz der Wasserburg mitten in Rittersdorf/Eifel


Römische Villa (Gutshof) Knaulöft bei Welschbillig in der Eifel. Aufgenommen aus 100 Meter Höhe um 20.36 Uhr. Die Schattenzeichen durch die tief stehende Sonne sind deutlich erkennbar. Rechts im Bild erkennt man Rissbildungen in den Muschelkalkplatten des Untergrunds


Boden- und Bewuchsmerkmale können an der Oberfläche bemerkt und mit Luftbildern sichtbar gemacht werden


Fotodrachen in der Luft über der Kapelle Seffern/Eifel


Hügelgräber bei leichtem Neuschnee nahe bei Lambertsberg in der Eifel. Zufallsentdeckung bei der Suche nach Grundmauern der verfallenen Burg Friedland


Keltische Hügelgräber von 700 bis 300 vor Christus bei Grüfflingen/Ostbelgien. Profilstege teilen die Grabung in vier Quadranten


Als Kameralifter eignet sich ein leichter, stabil fliegender und belastbarer Flügelkastendrachen für ein bis zwei Kameras, die am unteren Spannkreuz im Inneren der Zelle befestigt werden


Kite-Cross-Fitting-Aufhängung

Erdarbeiten auf der Deich-Großbaustelle Düsseldorf Kaiserswerth aus 50 Meter Höhe. Kontrasterhöhung und Farbintensivierung am PC durch Autokorrektur. Das Ergebnis ist ein Foto, das an abstrakte Malerei erinnert

Die Archäologie gehört, wie auch die Astronomie, zu den populären Wissenschaften. Zu dieser wissenschaftlichen Disziplin lassen sich wertvolle neue Erkenntnisse beitragen, indem man bekannte archäologische Objekte im Erdboden durch Luftbilder sichtbar macht. Die Hinterlassenschaften, insbesondere die Bauwerke unserer Vorfahren bis hin zur Steinzeit, liegen vielfach noch als Fundamentreste oder verfüllte Gruben unter der Erdoberfläche und sind aus unserer Sicht nicht zu erkennen. Von ihrer Existenz zeugen meist nur oberflächlich liegende Ziegelreste und Keramikscherben. Sie können geringe Höhenunterschiede im Bodenniveau aufweisen und das Pflanzen­wachstum fördernd oder hemmend beeinflussen. Dies wird bei sehr flach einfallendem Sonnenlicht durch Schatten- und Aufhellungslinien sichtbar. Es können auch auffällige Bewuchs- oder Boden­verfärbungen auftreten, wie zum Beispiel eine Getreidevergilbung über den unter­irdischen Grundmauern einer Römischen Villa durch anhaltende Trockenheit, wobei die Zusammenhänge aber erst aus der Vogelperspektive erkennbar sind.

Dokumentation
Unterirdische Bodendenkmäler werden erst durch ihren Einfluss auf die Boden­oberfläche und den Bewuchs erkennbar. Man bezeichnet dies als Boden- und Bewuchsmerkmale. Die Grundrisse von Gebäuden und ihre geometrische Anordnung werden erst sichtbar, wenn man in die Luft geht. Als Beförderungs­mittel hierfür dient ein Einleiner, der eine Kamera trägt. Hierbei ist es unerheblich, wie die Kamera befestigt wird, ob man ein Rigg mit Picavet-Technik in die Leine hängt oder eine Kreuzmontierung (KCF=Kite-Cross-Fitting) wählt. Damit ist die Anbringung der Kamera innerhalb eines Zellendrachens gemeint, der durch seine Konstruktion sehr flugstabil ist und daher einen hohen Kameraschutz gewährleistet. Außerdem ist eine sichere, einfache Befestigung schon am Boden möglich, und das vor dem Start und von nur einer Person. Wenn das untere Spann­kreuz eines Flügelkastendrachens zur Befestigung dient, wird zudem der Schwerpunkt nach unten verlegt. Das Prinzip ist recht einfach: Zwischen den sich kreuzenden Spannstäben wird eine Schaumstoff­scheibe gelegt. Dicke zirka 2,5 Zentimeter, mit flacher Nut im Verlauf der Stäbe. Von oben und unten ist eine Abdeckung durch je eine gleich große Sperrholzplatte mit zwei Bohrlöchern für eine Verschraubung einzufügen. Darauf oder darunter wird ein Aluprofilstück, dass 2 bis 3 Zentimeter über die Sperr­holzplatte ragt mit zwei Schrauben und Muttern fixiert. Am gequetschten Ende des Profils kann man dann die Alu­profilarme, die die Kamera tragen, im gewünschten Winkel anschrauben.

Fotografieren kann man überall dort, wo man den Drachen steigen lassen kann und darf. Das kann auch durchaus unter schwierigen Umständen stattfinden, der Drachen muss dabei nur gut beherrschbar, gewartet und sehr flugstabil sein.

Beim Fotografieren mit dem Drachen für die Archäologie sind zwei Anwendungs­be­reiche zu unterscheiden. Einerseits Auf­nahmen von bereits bekannten Fundstellen in der eigenen Region und der Versuch, sie durch Luftbilder zu unterschiedlicher Jahres- und Tageszeit zu dokumentieren. Und Andererseits die Dokumentation einer archäologischen Grabung in Zu­­sam­menarbeit mit den Archäologen durch Übersichts- und Detailaufnahmen vor und während der Grabung mit dem Drachen und dem Teleskopstab.

Hobbyforscher
Den ersteren Fall erledigt man entweder auf eigene Faust oder auf Nachfrage. Das Zweite, die Grabungsbegleitung, zumeist auf Anforderung. Gefragt sind überwiegend Senkrechtaufnahmen aus geringer Höhe, aber auch Schräg- und Höhen­aufnahmen, um einen Gesamt­eindruck und Überblick von der Grabungsstelle zu erhalten. Sehr oft wird vergessen, dass es sinnvoll ist, schon vor Grabungs­beginn Übersichts­aufnahmen zu erstellen. Zur Fundstellen­doku­men­tation muss man, wenn Schattenmerkmale (ein Nebeneinander von Aufhellungs- und Schattenlinien) erwartet werden, früh aufstehen, um bereits bei Sonnenaufgang den Foto­drachen startklar zu machen. Ebenso muss man oft abends vor Sonnenunter­gang das Fliegen fortsetzen.

Die Anzahl der geeigneten Objekte ist hierbei gewaltig, denn nur in den wenigsten Fällen liegen von mehreren Tausend bekannten Fundorten aussagekräftige Luftbilder vor. Wo diese meist unterirdischen Bodendenkmäler schlummern, lässt sich in den Fundstellenkatalogen der Museen oder Bodendenkmalpflege nachlesen. Wichtig ist dann der Kontakt zzu Mitgliedern der örtlichen Heimat­vereine.

Moderne Kunst
Auf mehreren Grabungen hat der Autor bisher im Jahr 2009 Archäologen begleitet. Hoch interessant war die Bergung eines hölzernen 18 Meter langen Flachbodenboots in Düsseldorf-Kaisers­werth. Es wurde im Jahr 1702 bei der Sprengung der Festung verschüttet. Bei den Arbeiten zur Deicherhöhung hat man es wieder entdeckt und vollständig ausgegraben. Nach einer acht Jahre dauernden Konservierung soll es in Düsseldorf ausgestellt werden.

Die Bilder haben aus Vogelperspektive oft einen eigenwilligen Reiz und alltägliche Dinge zeigen aus dieser Sicht eine überraschend abstrakte Darstellung. Wobei mit geringfügiger Bearbeitung, wie Kontrast­schärfung und Farbintensivierung, dieser Effekt noch verstärkt werden kann, was den Aufnahmen den Cha­rakter moderner Malerei gibt.


Vollständig freigelegtes, hölzernes Flachbodenboot in Düsseldorf-Kaiserswerth


Das Boot von Kaiserswerth auf der Deichbaustelle aus aus zirka 25 Meter Höhe. Die Bootsspitze ist noch verborgen


Beobachter am Boden sehen nur dunkelgrüne Flecken auf der Wiese. Erst aus geringer Höhe sind unterschiedlich große Kreise zu entdecken. Dies sind keine archäologischen Befunde, sondern natürliche Vorgänge, die durch ringförmig nach außen wachsende Pilze entstehen, die Hexenringe genannt werden

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