Sport & Design Drachen

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Everything can fly – Drachen in 3D

von Redaktion • 12.3.2009 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellen

Dreidimensionale Objekte und Umgebungen zu erstellen, ist das Hobby meines Sohnes Nils. Sobald ein 3D-Bild fertig ist, sucht er sofort nach neuen Ideen, die er am PC mit der geeigneten Software auf den Bildschirm bannen kann. Meine Leidenschaft sind Kasten- oder rautenförmige Drachen, flache oder dreidimensionale Objekte, am liebsten ganz neue Drachen­formen. Sobald ein Drachen fertig ist, begebe ich mich wieder auf der Suche nach neuen Ideen, die man an der Nähmaschine greifbar werden lassen kann. Nils hat mit seinen 15 Jahren nur wenig Erfahrung mit Drachen, ich habe nur wenig Erfahrung mit 3D-Software. Kann man die beiden so unterschiedlichen Hobbys miteinander kombinieren? Man kann!


Zu Anfang ist alles noch grau in grau
Schließlich wird das Bild mit Textur versehen
Das fertige Bild mit den Wolken im Hintergrund


Der Entwurf einer Staffelei samt einem Gemälde als Drachen wurde kurzerhand wieder verworfen

Optische Täuschungen und un­­mögliche Figuren sind das Bin­de­­glied. Als mein Sohn mich wieder einmal fragte, ob ich einen interessanten 3D-Vorschlag hätte, antwortete ich nur: U-Boot, Raumschiff oder Auto. Das sind die Objekte, die er eigentlich nicht besonders mag. Mir fiel nichts Besseres ein, ich war mit Drachengedanken beschäftigt. Zwei Tage später machte es dann Klick: Eine neue Idee war geboren. Ein erster kleiner Gedanke, die Brücke vom Computer zum Drachen zu schlagen, keimte auf und entwickelte sich langsam.

Von der Idee zum Entwurf
Drachen aus schweren Materialien wie zum Beispiel Beton, die man selbst bei Sturm nicht zum Fliegen bringen kann, müsste man doch am PC so umsetzen können, dass sie fotorealistisch aussehen. Eine Betonplatte am Himmel ist zwar außergewöhnlich, aber das passende Umfeld fehlt. Ein Weg aus Platten, in dem eine aus dem Verbund herausgenommen wurde, ist die passende Ergänzung. Beim Abendessen erzählte ich Nils von meinen Überlegungen. Er war begeistert und schlug ein größeres Bild aus vier Ein­zelbildern vor, schwarz eingefasst. Dies ist der einzige Gedanke, der bis zum Schluss ohne Änderungen übernommen wurde. Nils und ich redeten uns in Rage, hatten neue Einfälle, Verbesserungen und Än­­derungen, bauten Luftschlösser.

Der Alltag sah allerdings anders aus. Nach langem Hin und Her einigten wir uns auf einen optisch aufeinander abgestimmten Aufbau von vier Bildern. Das Grund­­ge­­­rüst stand also. Wir besprachen die ersten sechs Entwürfe. Drei fielen raus, sie ließen sich nicht umsetzen.

Beton und Drachen
Nils arbeitet mit 3D-Software zum Erstellen von dreidimensionalen Figuren, die dann im Raum platziert, gedreht und verschoben werden können. Das funktioniert im Prinzip genau umgekehrt wie beim Fotografieren. Statt mit dem Foto­apparat die beste Perspektive für das Motiv zu suchen, legt man als Erstes die Perspektive fest und baut dann das Ob­­jekt. Das PC-Programm bietet schon
fertige Grundobjekte wie Quadrate oder Kugeln an, die dann in Höhe, Breite und Länge modifiziert werden können. Jedes Objekt besteht dabei aus Polygonen, das sind drei- bis viereckige Flächen.

Beim ersten Bild fängt Nils mit einer quadratischen Platte an. Nachdem er festgelegt hat, wie dick sie ist, klont (dupliziert) er sie und verteilt sie auf die entsprechenden Positionen am Boden. Eine Platte wird dann zum Drachen, wenn Richtung und Flugwinkel stimmen. Anschließend kommt die Drachenschnur an die Reihe. Sie ist nicht nur ein Strich, sondern wird auch dreidimensional aufgebaut. Dazu ist eine Linie zu zeichnen, um die man einen Kreis zieht, der dann wiederum in die Länge zu ziehen ist. Dabei handelt es sich um einen so genannten Snipe. Jetzt wird die Lichtquelle gesetzt, um Schat­­­ten zu erzeugen. Die Position kann man sich frei aussuchen. Dabei spielt es natürlich eine große Rolle, ob sich draußen eine Lichtquelle wie die Sonne befindet oder ob man mit Lampen im Raum arbeitet. Auch nach dem Hinzufügen von Licht ist alles auf dem Bildschirm nur in Grautönen, da bis jetzt nur mit Objekten ohne Farbe gearbeitet wurde.

Spezialeffekte
Die Texturen, also die farbigen Ober­flächen, kommen danach an die Reihe. Die Quadrate erhalten eine Stein-Struk­tur. Mit etwas Fingerspitzengefühl sind im Anschluss noch Reflexionen und einen Bump hinzuzufügen. Letzterer sorgt dafür, dass eine scheinbare Unebenheit der Oberfläche geschaffen wird. Nachdem man die Textur an das Objekt angepasst hat, ist das Bild zu rendern. Unter Rendern versteht man die physikalische Berechnung der Lichtreflexion, der Schat­­­­­ten und des Schärfeverlaufs. Eine Rech­nerarbeit, die viel Zeit braucht. Damit es schneller geht, gibt es das Testrendern für einen groben Überblick und das Rendern kleiner Abschnitte. Es dauert, je nach Bild, unterschiedlich lange.

Für das erste Bild waren zirka 45 Minuten nötig, bis man einen ersten optisch korrekten Eindruck bekam. Danach können noch Änderungen vorgenommen und Einstellungen verändert werden. Da unbedingt Wolken zum Bild gehören sollten, das Programm aber nur einen physikalisch blauen Himmel erzeugt, fügte Nils diese mit einer Bildbearbeitungssoftware ein. Schließlich fehlte nur noch ein Detail auf dem Bild. Es wurden noch drei Kugeln aus Chrom, in der sich die Umgebung spiegelt, hinzugefügt. Für diesen Effekt erhielten sie einen Shader, der die Re­­flexion und das Glanzlicht bestimmt.

Feinschliff
Als ich das Bild zum ersten Mal in Rohform sah, fehlte mir ein richtiger Himmel. Erst mit den Wolken kam Leben ins Bild. Nur wirkte der Betondrachen zuerst gar nicht mehr dreidimensional, seine Kanten verschwammen vor der weißen Wolke. Nils schob sie kurz entschlossen ein Stück zur Seite. Dann passte es. Das Bild war in meinen Augen perfekt!

Die nächste Skizze mit dem Auto, dem das Vorderrad fehlt und das an einer Drachenschnur am Himmel fliegt, wurde abgelehnt. Ich hatte vergessen, dass Nils keine 3D-Entwürfe von Autos mag, da diese sehr zeitaufwändig sind. Die Zeich­nung mit der leeren Staffel auf dem Rasen und dem fliegenden, in Gold gerahmten Bild kam besser an. Mein Vorschlag, den Rasen gegen Sand zu tauschen, wurde mit einem Grummeln quittiert aber übernommen. Das Bild verlor jedoch an Tiefe, wirkte blass. Also alles noch einmal zurück. Feinheiten wurden ergänzt, dann ging es ans nächste Bild.

Rasen und Drachen
Die Zeichnung vom fliegenden Lagerfeuer vor nächtlichem Hintergrund mit Ster­­nen fiel durch, da die Drachenschnur am dunklen Himmel nicht sichtbar gewesen wäre. Die Zeichnung mit dem Rokkaku, der aus einem Rasen ausgestochen wird, finde ich überzeugend. Nils allerdings weniger.

Sein erster Gedanke war, mit dem Hair-Modul Haar zu erzeugen, das aussieht wie Gras. Das ist relativ einfach. Das Problem ist die riesige Anzahl an Grashalmen. Um eine Fläche zu füllen, müssten es ungefähr 500.000 sein. Da er nicht so viel Arbeitsspeicher hatte, arbeitete Nils mit „Shader“ und „Displacement“. „Displace­ment“ erkennt an grauen oder weißen Flächen Höhenunterschiede, sodass es scheint, als wären die Grashalme unterschiedlich lang, so wie richtiger Rasen. Da das Bild vorerst nur in Grautönen gehalten war, kam wieder Textur in Form von unterschiedlichen Grüntönen hinzu.

Fußball und Drachen
Der Entwurf war fertig, doch der Rokkaku hatte eine Metamorphose zum Della-Porta durchgemacht. Dieser wird in den Rasen gedrückt und als Sechseckform ausgestochen. Die Breiten und Längen mussten noch ins richtige Verhältnis gebracht und anschließend der Rasen-Rokkaku mit Waageschnüren versehen werden. Damit war das Bild fast fertig. Es fehlte aber wieder etwas. Da kam mir der Gedanke, dass es mit einem Fußballfeld viel besser wirken müsste. Dies gefällt auch dem 3D-
Designer. Das Bild wurde geändert und ein Tor hinzugefügt. Ein Spaten, der den Drachen ausgestochen hat und ein Fußball kamen noch hinzu.

Es ging ans letzte Bild. Ich hatte die Idee von einem Drachen aus rostigen Stahlplatten. Nils hingegen fand die Idee nicht gut, weil es schwierig ist, mit Rost eine Wirkung zu erzielen. Nach der Umsetzung am PC war ich nicht zufrieden, bis mein Sohn auf die Idee mit den Spitzen für den Kastendrachen kam. Die hat er dann sozusagen aus einer zweiten Stahlplatte geschweißt.

Die vier Bilder waren nun fertig, aber Nummer zwei gefiel mir noch nicht ganz, da ein Flug theoretisch nicht unmöglich wäre. Nach langen Überlegungen entfernten wir das gerahmte Bild und die Staf­felei und ersetzten sie durch drei Wind­mühlen. Bei einer von ihnen wandelten wir den Rotor zu einem Drachen um. Jetzt waren wir beide zufrieden. Nils über neue Motive und die Umsetzung meiner Vorgaben, ich über die für nicht für möglich gehaltene Symbiose unserer doch so unterschiedlichen Hobbys.

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