Einleiner ABC – von Ralf Dietrich
von Redaktion • 13.1.2009 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellenIn unserer Reise durch das Alphabet der Drachenwelt machen wir heute Station beim Buchstaben N. Es geht um unentbehrliche Utensilien. Eins für die heimische Werkstatt, eins für die Drachenwiese. Und dann treffen wir noch auf einen Drachenpionier aus unserem Nachbarland Österreich.


Oberklasse: Dürrkopf-Industrienähmaschine mit Nadeltransport

Mittelklasse: Pfaff Haushaltsmaschine mit Obertransport

Nützlicher Helfer auf der Drachenwiese: ein so genannter Niederholer

Ralf Maserski mit einem Type C

Replik eines Nikel Type A in der Luft
In unserer Reise durch das Alphabet der Drachenwelt machen wir heute Station beim Buchstaben N. Es geht um unentbehrliche Utensilien. Eins für die heimische Werkstatt, eins für die Drachenwiese. Und dann treffen wir noch auf einen Drachenpionier aus unserem Nachbarland Österreich.
Nähmaschine
Nicht wegzudenken aus jeder guten Drachenwerkstatt ist dieses Hilfsmittel – die Nähmaschine. Und das Angebot ist wirklich riesig. Von der 100-Euro-Maschine vom Discounter nebenan bis hin zu Industriemaschinen, für die Investitionen im fünfstelligen Bereich erforderlich sind. Doch was ist sinnvoll für einen Drachenbauer? Und vor allem: Wovon sollte er lieber die Finger lassen?
Zum Einstieg reicht ganz gewiss die preiswerte Variante vom Supermarkt um die Ecke. Hat man damit erste Erfahrungen gesammelt, geht der Trend hin zur Zweitmaschine. Unser Tipp hierfür: eine Maschine mit Obertransport. Normale Nähmaschinen verfügen nur über einen Untertransport mittels Zahnplatte. Der Fachmann spricht hier von der Friktion einer oszillierenden Zahnplatte – was
auf gut Deutsch nichts anderes heißt, als dass eine Platte, zwecks besserem Griff mit Zähnchen ausgestattet, von unten her an das Nähfüßchen drückt und sich dann nach hinten wegbewegt. Am hinteren Anschlagpunkt angekommen, bewegt sich die Platte nach unten, geht auf ihre Ausgangsposition zurück, drückt hier wieder gegen das Nähfüßchen und so weiter. Da zwischen Füßchen und Platte der zu nähende Stoff liegt, wird dieser Stück für Stück weiterbewegt. Dummerweise benutzen wir im Drachenbau bekanntlich Spinnaker – und dieser Stoff ist recht rutschig. Daher kommt es mitunter vor, dass sich die Spinnakerlagen während des Nähens verschieben, unschöne Falten und Beulen sind die Konsequenz.
Abhilfe schafft hier der Obertransport, der zusätzlich zum Untertransport die Stofflagen bewegt. Der Obertransport ist dabei in aller Regel ein kleines Ärmchen, das hinter dem Nähfuß angebracht wurde und sich synchron zur unteren Platte bewegt. Ergebnis: Der Stoff rutscht nicht mehr so stark. Und dann gibt es oftmals zu hören, dass Industriemaschinen für den Drachenbau unentbehrlich sind.
Weit gefehlt. Meist sind Industriemaschinen den Haushaltsmaschinen mit Obertransport sogar unterlegen, denn die preiswerten Varianten haben meist nur bei einer einzelnen Stichart Untertransport. Dafür nähen sie richtig schnell. Wer nicht so aufs Geld schauen muss, dem sei eine Industriemaschine mit Nadeltransport empfohlen – das macht dann richtig Spaß. Hier sticht die Nadel durch das Nähgut, Stoff und Nadel bewegen sich weiter, am hinteren Anschlag gleitet die Nadel aus dem Spinnaker heraus, geht in die Anfangsposition und sticht wieder zu. Hier verrutscht dann wirklich nichts mehr.
Niederholer
Man stelle sich vor, dass ein zugkräftiger Einleiner wie angenagelt am Himmel steht und nach einem langen Flugtag eingeholt werden soll. Was tun? Sicherlich kann man sich mit der guten, alten Methode des „an der Schnur entlang Hangelns“ behelfen, einfacher geht es aber mit einem so genannten Niederholer. Das ist ein kleines, praktisches Gerät, das die Bergung des Drachens erheblich vereinfacht. Hierzu nehme man eine handelsübliche Handschlaufe, wie sie in jedem gut sortierten Drachen-geschäft zu finden ist. An ihr wird ein Rollenblock befestigt, den es wiederum in Fachgeschäften für den Segelbedarf zu kaufen gibt. Fertig ist unser Niederholer. Einfach den Bock aufgeklappt, die Drachenleine eingelegt, Rollenbock geschlossen und schon kann man den Drachen viel einfacher zu Boden drücken.
Nikel, Hugo
Bei kaum einem Drachenbauer liegt das Schaffen dermaßen im Dunklen wie bei dem Drachenpionier, um den es an dieser Stelle gehen soll: den Österreicher Hugo Nikel, der zu der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende aktiv war. Eine Handvoll alter Bilder, ein paar Handzeichnungen und ein paar private Aufzeichnungen – das ist alles, was interessierten Drachenfreunden zum Thema Hugo Nikel zur Verfügung steht. Und um die ganze Geschichte noch ein wenig komplizierter zu machen: Die wenigen Informationen um und über Nikel widersprechen sich auch noch. So ist es nicht verwunderlich, dass es nicht viele Nachbauten am Drachenhimmel zu bewundern gibt. Und die Nikel-Repliken, die es zu sehen gibt, sind eher Drachen, von denen ihre Erbauer annehmen, dass ein Nikel-Drachen einmal so ausgesehen hat. Der Bauplan des Nikel Type A, der einst in Sport & Design Drachen veröffentlicht wurde, ist hier keine Ausnahme.
Als sicher gilt, dass Nikel mit drei Prototypen experimentiert hat: den Typen A, B und C. Type A hatte dabei seinen Erstflug 1898 in Gallizien und wies mit 8 x 4 Meter recht große Abmessungen auf. Ursprünglich für den Transport von meteorologischen Instrumenten gedacht, benutze Nikel seine Drachen auch für Menschenflug-Experimente. Nachdem Type A nicht die Verwindungssteifheit aufwies, die wünschenswert gewesen wäre – man bedenke, dass Nikel diesen großen Drachen aus Weidenruten fertigte – wurde eine kleinere Version, der Type B, in Angriff genommen. Type B hatte gegenüber dem Vorläufer ein anderes Verhältnis von Länge zu Breite, wies darüber hinaus ein Flächenpaar weniger auf und war, so Hugo Nikel, nicht vernünftig zum Fliegen zu bringen. Der letzte Entwicklungsschritt war somit Type C, welcher dieselben Dimensionen und die gleiche Flächenanzahl wie Type A hatte und endlich über genügend Verwindungssteifheit verfügte. Eines war jedoch allen Nikel-Drachen gemein: Durch die damaligen Baustoffe waren die Drachen nicht robust genug und nachdem ein zu eifriger Helfer Type C schon am Boden zerstört hatte, wandte sich Nikel von den Großdrachen ab und konstruierte stattdessen kleinere Exemplare, die im Gespann geflogen dieselbe Zugkraft aufwiesen, aber wesentlich leichter zu handhaben waren.




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