„Der Himmel ist mein Freiluftatelier“ – Holger Lendla im Interview
von Redaktion • 7.1.2010 • Kategorie: Wissen & Planen • Sport & Design Drachen bestellenEr beklebt auch mal einen Drachen mit 1.000 Swarovski-Steinen, baut einen aus Seide oder verziert ihn wie eine Louis-Vuitton-Tasche. Die Rede ist von Holger Lendla. Alles an seinen Drachen ist außergewöhnlich: Die Namen wie „BIP – Birds in Paradise“ oder „Pierrot Le Poisson“ ebenso wie seine Segeldesigns. Sport & Design Drachen hat sich mit ihm über seine Leidenschaft für Patchwork-Drachen und die Möglichkeit, Spinnaker zu bedrucken, unterhalten.


Ein Sode Dako nach dem Punktdesign der berühmten japanischen Pop-Art Künstlerin Yayoi Kusama. Sämtliche Segmente wurden mit Siebdruck gefärbt


Holger Lendla hat eigene Techniken entwickelt, Spinnaker zu bedrucken

Die chinesische Palastlaterne nach einer Idee von Willi Koch mit zwölf Masken der Peking Oper
SDD: Herr Lendla, dank ihrer aufwändigen Konstruktionen könnte man Sie schon als Drachendesigner bezeichnen. Woher kommen die Ideen für Ihre Entwürfe?
Holger Lendla: Vorab möchte ich sagen, dass ich mich nicht als Drachendesigner bezeichne. Ich sehe mich mehr als Textildesigner oder, wenn man es englisch ausdrücken möchte, als Surface Designer. Dass der kreative Prozess mit Drachen stattfindet ist eher zufällig. Für mich sind Drachen eine Kunstform, der Himmel ist dabei das Freiluftatelier. Es ist ein Zusammenspiel von Licht, Wolken und Schatten bei unterschiedlichen Tageszeiten. Mein Tipp für alle, die ihre Drachen fotografieren wollen: Die besten Fotografien entstehen nach 16 Uhr.
SDD: Es klingt fast so, als wäre der Drachentyp für Ihre Designs zweitrangig.
Holger Lendla: Im Prinzip ja, ich bevorzuge jedoch Edos und Sode Dakos. Dabei war von Anfang an klar, dass jeder Drachen in Patchwork-Technik hergestellt wird. Man kann fast sagen, dass ich einem „Patchworkvirus“ verfallen bin. Ich spiele seit über 30 Jahren Gitarre und möchte es so beschreiben: Patchwork hat in mir eine Seite zum Schwingen gebracht.
SDD: Patchwork ist sehr zeitaufwändig und setzt präzises Arbeiten voraus. Haben Sie spezielle Techniken entwickelt?
Holger Lendla: Jeder Drachenbauer entwickelt mit der Zeit seine eigenen Techniken, eine kleine möchte ich hier erwähnen: Statt mit doppelseitigem Klebeband zu arbeiten, nutze ich für die Segel „Uhu Alleskleber Extra Kraft“. Das funktioniert besonders gut bei Rundungen. Dazu ist das Kleben über die gesamte Nahtlänge wichtig, denn Drachenstoff lebt und nur so erreiche ich genaues Arbeiten. Ebenso wichtig bei der Patchwork-Segelherstellung ist sauberes, gerades und knappkantiges Nähen, also mit ganz geringem Saum. Ich arbeite mit der Pfaff 1527 und speziellen Saumfüßen. Man muss sich einfach die Zeit nehmen, die ein Drachen verdient. Dazu zählt für mich der Unikatgedanke. Ich möchte den Drachen auch nach langer Zeit noch gerne hervorholen und fliegen.
SDD: Warum finden Sie gerade Quilt-Entwürfe so spannend?
Holger Lendla: Sie sind einfach eine unerschöpfliche Quelle für Drachenbauer. Man kann seine Ideen gar nicht alle umsetzen; sie reichen, um ein ganzes Leben davon zu zehren. 2006 war ich zu Besuch auf einer Quilt-Meisterschaft und lernte die studierte Textildesignerin Claudia Pfeil kennen. Mit ihrer Erlaubnis habe ich eines ihrer Motive auf meinem neuesten Edo umgesetzt.
SDD: Sie haben dabei das Segel bemalt und bedruckt. Verraten Sie uns, wie Sie auf das Geheimnis, Spinnaker dauerhaft einzufärben, gekommen sind?
Holger Lendla: Ich habe an einem Textildruckseminar von Johannes Tophoven teilgenommen, in dem Seide bedruckt wurde. Da hat es sozusagen „Klick“ gemacht. Mir stellte sich die Frage, ob es auch auf Spinnaker funktionieren würde. Das Wichtigste dabei ist natürlich die richtige Farbe, mit ihr steht und fällt alles. Dank des Seminars bin ich auf die spezielle Farbe „Trapsuutjies“ aufmerksam geworden. Da es diese auch transparent gibt, ist sie optimal geeignet. Wer beim Bedrucken kreativ sein möchte, fertigt seine eigenen Stempel aus Moosgummi an. Eine andere Möglichkeit sind alte Druckstöcke oder Henna-Stempel, mit etwas Glück findet man sie bei Online-Versandhäusern.
SDD: Kann man auch Alltagsgegenstände benutzen?
Holger Lendla: Auch das geht. Es gibt unendliche Varianten. Man kann auch Bordüren-Schablonen aus dem Baumarkt nehmen. Ich habe zum Beispiel einmal Tesastreifen mit gleichen Abständen auf das Spinnaker geklebt, das Segel gestempelt und nach dem Trocknen der Farbe das Klebeband wieder abgezogen. So entsteht ein toller Effekt.
SDD: Die Möglichkeiten scheinen wirklich grenzenlos zu sein.
Holger Lendla: Das Ganze wird dann nur noch vom Siebdruck getoppt. Die Motive kann man dabei selbst anfertigen oder man benutzt fertige Siebdruckrahmen mit unterschiedlichen Motiven.
SDD: Sie machen oft durch Extravaganz auf sich aufmerksam, wie zum Beispiel einen Drachen mit Svarowski-Steinen zu verzieren. Wie kommt das in der bodenständigen Drachengemeinde an?
Holger Lendla: (lacht) Das Ganze war ein Gag. Ich habe einen Sode Dako mit 1.000 Svarowski-Kristallen verziert. Ebenso habe ich einen Sode mit dem Handtaschendesign von Louis Vuitton versehen und einen aus Seide gefertigt und mit einem PC-Drucker bedruckt.
SDD: Was können wir in Zukunft noch von Ihnen erwarten?
Holger Lendla: Ein weiteres Projekt, das ich gerne realisieren möchte sind die fünf modernen Kirchenfenster in Ribe. Zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir außerdem eine neue Idee geschenkt, eine in meinen Augen ganz gravierende aerodynamische Veränderung. Nur ein Stichwort will ich hier verraten, es geht in Richtung des Designers Luigi Colani, alles wird runder. (Mehr zu diesem Thema in einer der nächsten Ausgaben). Beim Sode Dako wird es hundertprozentig funktionieren. Alle anderen Modelle werden im Winter gebaut und im Frühjahr Probe geflogen. Beim Edo und Genki werden die Veränderungen allerdings krasser ausfallen.




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