Strandparade – Grömitz Drachenfestival 2010
von Redaktion • 6.5.2010 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellenDie Osterfeiertage sind für Drachenflieger immer etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil mit den Ostereiern eine süße Versuchung ins Haus steht, nein, auch die Flugsaison beginnt endlich wieder. Das erste große, deutsche Drachenfest in Grömitz ist daher ein Pflichttermin für Drachenfreunde.


Chef der Veranstaltung: 8er-Lutz

Delta von Rainer Grafmanns aus Hamburg

36 Meter großer Octopus

Jungfernflug des Drachens aus Randers, der extra für das Fallschirmspringen mit Kuscheltieren entwickelt wurde

Einige Drachen gingen in der Ostsee baden
Lange Jahre zog die Karawane der Drachenflieger zum Saisonbeginn nach Travemünde. 2009 fand die Veranstaltung dann erstmals im nicht weit entfernten Ostseebad Grömitz statt. Der Umzug hat dem Event gut getan. Im letzten Jahr war der Strand voller Drachen und Besucher. 2010 wurde die Veranstaltung auf das Wochenende nach Ostern gelegt und lag damit in direkter Konkurrenz zu anderen großen Drachenfesten wie Berck-sur-Mer in Frankreich. Gespannt reiste man also nach Schleswig-Holstein, um sich überraschen zu lassen, was an diesem Wochenende am weißen Sandstrand von Grömitz los sein sollte.
Experimentierfreudig
Auch in diesem Jahr lag die Organisation des Festivals in den Händen von „8er“ Lutz Treczoks, der für die gesamte Organisation der Drachenfliegerschar sowie der unterschiedlichen Events an der Promenade verantwortlich zeichnete. Von kommunaler Seite her organisierte EPM Concept sowie Olaf Dose-Miekley vom Tourismus-Service Grömitz das Festival. Somit stand das bewährte Team von 2009 auch in diesem Jahr zur Verfügung.
Ein wenig verwunderte es da schon, dass sich die Organisatoren in diesem Jahr zu Experimenten hinreißen ließen. So war die Veranstaltung über die gesamte Promenade hin verteilt. Das heißt, während sich die Drachenflieger am Südteil des Strands tummelten und die Aeroplastiken an zentraler Stelle aufgebaut waren, wurden spezielle Aktionen für Kinder, wie beispielsweise Schminkstation und Clownerie, an den Nordstrand verlegt. Dazwischen lagen so gut 4 Kilometer, was die Stimmung des Fests ein wenig trübte.
Kunstausstellung
In der Mitte des Strands stießen Kenner auf die Skulpturen eines alten Bekannten. Detlef Bannier war in den 90er-Jahren bekannt für seine überdimensionalen Kunstwerke, auch Aeroplastiken genannt. Er fertigte Fabelwesen, Dinosaurier und andere Fantasiegestalten aus Spinnaker. Fliegen konnten diese Skulpturen nicht, vielmehr wurden und werden sie mit Hilfe eines Gebläses in Form gebracht und anschließend im Sand befestigt. Leider verstarb der Neubrandenburger viel zu früh und so war lange Zeit ungewiss, ob Banniers Kreationen jemals wieder auf einem Drachenfest zu sehen sein würden. In Michael Schelesnow fanden die Plastiken schließlich einen neuen Besitzer. Der kreative Kopf hinter dem Entertainment-Team „Die Kramkiste“ präsentierte aber nicht nur die bekannten Aeroplastiken seines Freunds, mittlerweile hat er auch eigene Skulpturen im Angebot. Leider herrschte an den Festivaltagen recht starker Wind, sodass die großen Fabelwesen nach und nach in der Transportkiste verschwinden mussten und am Ende nur noch kleinere Skulpturen am Strand zu sehen waren. Dennoch, auch diese waren ein echter Hingucker und insbesondere die Kinder hatten ihre Freude damit.
Strand und starker Wind? Das muss perfekt für jeden Drachenflieger sein. Leider war dem nicht durchgängig so. Der Samstag verwöhnte zwar mit Sonnenschein, dafür kam der mitunter recht starke Wind ablandig aufs Flugfeld. Dadurch sorgten die Hotelgebäude an der Strandpromenade für ordentliche Verwirbelungen. Das war sicherlich ein Grund dafür, dass in diesem Jahr nicht ebenso viele Drachen den Himmel über Grömitz zierten, wie es im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Mit 80 Drachenfliegern aus Deutschland, aber auch Luxemburg, den Niederlanden und Dänemark war genügend drachenfliegerisches Potenzial am Strand zugegen, das vollständig ausgeschöpft wurde.
Eltern-Kind-Fliegen
Auch in Grömitz konnte die eine oder andere schöne Konstruktion gesichtet werden. Die Freunde der Drachengruppe Hamburg zierten ihr Lager mit Roloplanen. Und da das Thema von Grömitz in diesem Jahr die Luftbildfotografie war, wurde flugs ein Nachbau des historischen L‘Aéro Photo aufgebaut und an der Promenade ausgestellt. Apropos Luftbildfotografie: Auf der Promenade gab es eigens ein Zelt, in dem Schnappschüsse ausgestellt und die KAP-Technik erklärt wurde. Auf einem Großbildfernseher sollte darüber hinaus ein Live-Bild vom Drachen aus übertragen werden, doch leider machte auch hier der unstete Wind einen Strich durch die Rechnung. An das sichere Liften einer KAP-Anlage war an diesem Wochenende leider nicht zu denken und so wurden auf dem Bildschirm Videos und Bilder aus dem letzten Jahr gezeigt.
Zurück am Strand mühten sich die Drachenflieger redlich, möglichst viel Bunt in die Luft zu bekommen. Während Klaus Köppe aus Braunschweig die Zuschauer mit einer „Armada“ von Fröschen und Legs nach der Konstruktion von Martin Lester erfreute, hatten Piloten aus dem dänischen Randers einen besonderen Drachen im Gepäck. Die beiden treibenden Köpfe des Rander Drachenfests hatten sich eine besondere Konstruktion für Fallschirmsprünge mit Kuscheltieren ausgedacht. Denn oftmals laufen Eltern mit ihren Kindern planlos über das Feld, ohne zu wissen, wo sie sich hinwenden sollen. Mit dem großen stablosen Schild, das schwarz auf gelb ein fallschirmspringendes Kuscheltier zeigt, kann das nicht mehr passieren. Es wurde sich redlich bemüht, um den 5 x 18 Meter großen Drachen für den Jungfernflug in die Luft zu bekommen.
Wasserrettung
Auch wenn an diesem Samstag weniger Drachen in der Luft waren als zur gleichen Zeit 2009, war der Himmel gut bevölkert. Bedingt durch den bockigen Wind kamen sich sogar immer wieder Drachen ins Gehege, sodass es auch ab und an zu Leinenrissen kam und die Drachen auf das Meer hinaus getrieben wurden. Doch dank der
Besatzung des Seenotrettungskreuzers „Vormann Jantzen“, der im Yachthafen von Grömitz stationiert ist, konnten einige Drachen sowie verschiedene Fußbälle und eine Jutetasche aus den kalten Fluten der Ostsee geborgen werden.
Am Sonntag drehte der Wind dann endlich auf Nordost und wehte parallel zum Strand. Leider verabschiedete sich aber auch die Sonne und 5 Bft. bei Temperaturen um 6 Grad Celsius machten das Drachenfliegen zu einem eiskalten Vergnügen. Dennoch, auch an diesem Tag mühten sich die angereisten Drachenflieger, dem Publikum etwas zu bieten und so war der Himmel über Grömitz auch am Abschlusstag mit farbenfrohem Spinnaker gefüllt.
Besucherstark
Auch wenn das Wetter nicht ganz so perfekt war wie im Jahr 2009 und bedingt durch den Termin weniger Piloten nach Grömitz reisten, kann das Drachenfest mit 100.000 Besuchern als erfolgreich bezeichnet werden. Und die Drachenflieger – ja, die fühlen sich in Grömitz sowieso wohl, denn Gelände wie auch Organisation sind so richtig nach ihrem Geschmack.




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