"Spektakel, Sport, Traum und Poesie" – 20èmes Rencontres Internationales de Cerfs-Volants à Berck-sur-Mer
von Redaktion • 22.7.2008 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellenÜber 400.000 Besucher sind jedes Jahr fasziniert und erstaunt, wenn sich der endlos erscheinende Sandstrand von Berck-sur-Mer in ein Mekka der internationalen Drachenszene verwandelt. Wohl kaum ein anderer Ort auf der Welt steht für zehn Tage so sehr im Zeichen der Drachen wie der zirka 80 Kilometer südlich von Calais gelegene französische Badeort. Und natürlich war die gesamte Region auch zum 20. Jubiläum des Drachenfests wieder vom „Drachenvirus“ befallen.


Windinstallation im„Jardins du Vent“

„Le Papilon“: Der wohl schönste, aber auch komplizierteste Drachen von Bernhard Dingwerth

Neptundrachen mit wunderschönen Applikationen


Die Kuwait-Flagge: Einer der weltgrößten Drachen und einer von drei „Bodenankern“
Gerard Clement hatte als Organisator ein großartiges Programm unter dem Motto „Spektakel, Sport, Traum und Poesie“ zusammengestellt und 230 Drachenflieger, Lenkdrachensportler, Windgärtner, Luftbildfotografen und andere Liebhaber des Winds aus der gesamten Welt eingeladen. Die 6. Weltmeisterschaft im Lenkdrachen-Teamfliegen sollte daher nur einer der Höhepunkte sein.
Große Tradition
Der klangvolle Name Berck-sur-Mer weckt nicht nur die Hoffnung auf traumhafte Tage an der französischen Kanalküste. Damit verbunden ist auch die Erwartung, Neuigkeiten aus der internationalen Drachenwelt zu sehen und zu erleben. Nach der Winterpause in Europa bedeutet das Rencontres Internationales de Cerfs-Volants (RICV) für viele Drachenfreunde die Saisoneröffnung der wirklich großen Drachenfeste. Seit dem ersten Drachenfestival 1987, bei dem sich zunächst Luftbildfotografen aus drei Nationen trafen, hat sich das RICV von Berck bis zum heutigen Tag zu einem der weltweit wichtigsten Drachentreffen entwickelt. So wundert es nicht, dass sowohl der Entwicklungsgeschichte dieses Drachenfestes als auch der Luftbildnerei zum 20. Jubiläum jeweils ein eigenes Ausstellungszelt auf der Promenade gewidmet war. Diese Promenade, die Esplanade Parmentier, war auf etwa 800 Meter Länge zu einer Zeltstadt umgestaltet worden. Ausstellungen, Workshops, Drachenverkaufsstände, Sonderpostamt, Verpflegungsbuden und Werbestände verschiedener Regionen und Vereine luden, neben dem fantastischen Ausblick von der erhöhten Kaimauer auf den Strand, zum Flanieren ein.
Zum ersten Mal wurde einer der weltgrößten Drachen, die Kuwait-Flagge, in Frankreich gezeigt. Dieser von Peter Lynn erbaute Flag-Kite hat eine Größe von 42 x 25 Meter und ist 7 Meter hoch. Über Schönheit kann man streiten, aber es ist schon imposant, wenn sich 2.500 Quadratmeter Spinnaker mit Wind füllen und als Drachen mit einem Gesamtgewicht von 200 Kilogramm an drei Bulldozern verankert in den blauen Himmel erheben. Die Begeisterung des kuwaitischen Teams unter der Regie von Andrew Beattie und Peter Lynn war natürlich groß. Im mittleren Aktionsfeld fanden die 6. Weltmeisterschaften im Lenkdrachen-Teamfliegen statt. Beeindruckend, wie ehrgeizig die 16 besten Teams der Welt über vier Wettkampftage mit den Widrigkeiten des Windes kämpften. In den Wettkampfpausen wurden hier immer wieder Show-Vorführungen der Teams gezeigt. Neben Mega-Teamfliegen und Revolution-Shows gab es sogar Tanzvorführungen zu Drachenflug. Egal, ob Ray Bethell mit seinen drei Lenkdrachen kunstvoll synchron flog, ob das französische Team FLIC bei jedem Wind mit ihren Revolutions spielte oder ob Flexifoil-Gespannflüge vorgeführt wurden, die Begeisterung des französischen Publikums für die Lenkdrachenshows war riesig.
Windgärten
Aber auch neben den Vorführflächen war der Himmel immer voller Drachen. Vielleicht lag es am Wind, aber der Trend zu stablosen Großdrachen war auffällig. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch die wohl größte Ansammlung von sich ständig verändernden Wind- und Klanggärten. Kleingärtnern gleich pflegten und hegten die „Windgärtner“ ihre immer kunstvoller werdenden Objekte und Installationen, die bedingt durch Winderosionen fast täglich neu angeordnet werden mussten. So gab es auch für den regelmäßig vorbeischlendernden Betrachter ständig wieder etwas Neues zu entdecken. Witterungsbedingt musste zwar das Nachtfliegen von Samstag- auf Sonntagabend verschoben werden, dies tat der Teilnehmer- und Besucherschar jedoch keinen Abbruch. Und spätestens nach dem gigantischen Feuerwerk war klar, warum Gerard Clement auf das Jubiläumsfest gespart hatte. Auf einer Länge von zirka 800 Meter brannten am Strand bis zu zehn Feuerwerke gleichzeitig. Nicht zuletzt deswegen behalten wir die französische Gastfreundschaft gerne in Erinnerung und freuen uns, wenn wir zum 21. Rencontres Internationales de Cerfs-Volants im April 2007 wieder kommen dürfen.

Bei auffrischendem Wind können auch zentnerschwere Betonbodenanker ins Wandern kommen

Tausende Zuschauer säumten die Flugfelder




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