Kiting for Peace – Pasir Gudang International Kite Festival 2009
von Redaktion • 6.5.2009 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellenDas internationale Drachen-Festival in Pasir Gudang ist eine der renommiertesten Veranstaltungen im touristischen Kalender Malaysias. Pasir Gudang, an der Südspitze des Staates Johor und nördlich von Singapur gelegen, zählt zu Asiens absoluten Drachenhochburgen. In Malaysia haben Drachen eine lange Tradition in Leben und Kultur. Die Begeisterung für den Drachensport reicht von Drachenmusik bis zum Tanz. Traditionelle Wau-Bulan zieren Briefmarken, Geldscheine und Münzen, sogar Straßenlaternen haben die Form eines Wau-Bulan. Und die Malaysia Airlines hat als einzige Fluglinie weltweit einen stilisierten Drachen in ihrem Logo.


Schleierdelta auf Indonesisch

Feuerspuckende Centipede

Wie im Paradies; Pasir Gudang abseits des Drachenfestivals

Der imposante Tiger ist ein neuer Drachen von Peter Lynn

Dieser fast schon monströse Drachenkopf wurde dem Museum gespendet

Traditionelle Wau-Drachen

Farbenprächtig zeigte sich nicht nur dieses Lenkdrachengespann

Der Nachwuchs beim Lenkdrachenfliegen

Die Delegation aus China schickte verschiedene Centipeden in die Luft

In Malaysia ist jeder Drachen das Ergebnis kunstvoller Handwerksarbeit
Die Bedeutung und der Stellenwert des Drachenfests in Malaysia werden allein an der Auflistung der Organisatoren und Sponsoren deutlich. So wurde extra eine Organisation auf Landesebene gegründet, die Johor Corporation. Hierzu zählen der Gemeinderat von Pasir Gudang und die Regierung des Staates Johor, vertreten durch das Ministerium für Tourismus, Bildung, Kunst, Kultur und Kulturerbe Malaysias sowie der Malaysia Kite Rat und die Johor Kite Association. Das Festival wirkt als Highlight weit über die Region hinaus und wird entsprechend in den Medien, aber auch überall sichtbar auf Bannern und Plakaten beworben. Das Spektakel aus Spaß und Spannung wird zu einem Event für tausende von Familien.
Multi-Kulti
Mit geschätzten 100.000 Besuchern zählt Pasir Gudang zu den größten Drachenfesten der Welt. Seit 1995 hat sich die Veranstaltung beständig weiter entwickelt und am diesjährigen 14. Drachenfest nahmen 210 Drachenflieger aus 28 Nationen teil: Australien, Neuseeland, Japan, Frankreich, Deutschland, China, Indien, USA, England, Schweden, Österreich, Italien, Libanon, Südafrika, Taiwan, Kanada, Vietnam, Singapur, Indonesien, Thailand, Kambodscha, Korea, Brunei und den Philippinen, Portugal sowie Brasilien. Über 500 nationale Drachenflieger repräsentierten einzelne Staaten und Clubs (13 Teams), Schulen (18 Teams) und Unternehmen (23 Teams) in den traditionellen Wau-Wettbewerben.
Das diesjährige Drachenfest stand unter dem Motto „Kiting for Peace“. Eine 20-köpfige Delegation aus China verband unter der Überschrift „Twin Kite City“ symbolisch Pasir Gudang und die chinesische Stadt Weifang miteinander. Eine weitere chinesische Gruppe aus Shandong überraschte mit feuerspeienden, laut knallenden Centipeden am Himmel. Ein umfangreiches Programm machte den Reiz des Drachenfests aus: Nationale Drachenclubs und Schulen trugen Wettbewerbe aus, andere maßen ihr Können im traditionellen Drachenbau, Kinder erfreuten sich an Malwettbewerben, Drachen-Workshops werden organisiert und Teamflug vorgeführt.
Am Rande des Flugfelds luden vielfältige Verpflegungsstände zu einer Stärkung unter die Schatten spendenden Bäumen ein. Vom Massagezelt bis zum Blutspendedienst, über Hüpfburgen und
sonstige Verkaufsstände war alles vertreten. Beste Vorraussetzungen für ein erholsames aber dennoch erlebnisreiches Ausflugswochenende für tausende von Besuchern.
Familientreffen
Gemeinsam mit Peter und Soon Rieleit aus Düsseldorf angereist, trafen wir pünktlich zum Briefing der internationalen Drachenflieger in Pasir Gudang ein. Da wir einen normalen Linienflug nach Singapur gebucht hatten, mussten wir unser Reisegepäck auf 20 Kilogramm Drachen pro Person beschränken. Sämtliche Kleidung und Reiseutensilien trugen wir daher im Handgepäck mit uns. Nach 13 Stunden Flug wurden wir vom Changi Airport in Singapur abgeholt und per Kleinbus nach Pasir Gudang gebracht.
Das Besondere an internationalen Drachenfesten ist, dass man immer wieder viele bekannte Gesichter aus der ganzen Welt trifft. Darunter gute Freunde aus Neuseeland, Japan, Amerika oder anderswoher. Es ist eben eine große Drachenfamilie. Zu unserer Überraschung waren noch weitere Teilnehmer aus Deutschland anwesend.
Wolfgang Schimmelpfennig und dessen Freundin Gabi sollten an den folgenden Tag das deutsche Team noch kräftig verstärken. Die gesamte Organisation klappte hervorragend. Alle Teilnehmer erhielten studentische Betreuer zur Seite gestellt, die bei organisatorischen Fragen als Ansprechpartner und Dolmetscher dienten, uns auf dem Kite-Feld betreuten, mit Wasser versorgten und die Lunchpakete verteilten. Es gab sogar Veranstaltungsmappen mit Programm, Teilnehmerausweis und allgemeinen Informationen. Das Drachenfestgelände war nur wenige Autominuten vom Hotel entfernt und ein Shuttle-Service stand immer zur Verfügung. Bei über 200 Teilnehmern eine organisatorische Glanzleistung.
Klimawandel
Eingebettet in einem parkähnlichen Gelände liegt der Berg Bukit Layang Layang mit dem Drachenmuseum Muzium Layang-Layang. Das extra zum Drachenfliegen angelegte große Wiesengelände wird aber bei der enormen Anzahl geladener Drachenflieger langsam zu klein. Schon früh am Morgen musste man sich eines der Ankerfahrzeuge für die Großdrachen auf dem Flugfeld sichern. Der Wind erwies sich nämlich während der folgenden Tage als wechselhaft. Von eher schwach bis ruppig, und leider war der Wind oft auch noch drehend. Unter der brutzelnden Sonne nahe am Äquator und bei hoher Luftfeuchtigkeit wurde der Drachensport zur schweißtreibenden Angelegenheit. Für alle Drachenflieger waren Zelte als Unterstand und zum Schutz vor der sengenden Sonne aufgestellt. Bei Temperaturen um die 35 bis 40 Grad waren diese Schattenspender zumindest in der Mittagszeit durchaus begehrt.
Showeffekte
Während die nationalen Teilnehmer ihre Wettbewerbe auf einem Teil des Flugfelds austrugen, war für die internationalen Gäste freies Fliegen angesagt. Je nach Windstärke wurde ausgepackt und dem staunenden Publikum das ganze Spektrum des Drachensports gezeigt. Unter fachkundiger Moderation gab es Lenkdrachenvorführungen und Vierleiner-Flug, ublikumsbelustigungen wie Bonbonabwurf und mitreißende Rokkakukämpfe asiatischer Kämpfer. Faszinierende Einleiner wurden vorgestellt – und so gab es neben den vielen stablosen Großdrachen immer zahlreiche Flugobjekte auf dem Kite-Field zu sehen.
Michael Alvares aus Australien wurde nicht müde, aus den verrücktesten Plüschtieren Bonbons regnen zu lassen, Philipp McConnachie hatte sowohl stablose Meeresbewohner als auch seine kunstflugtauglichen Boxkites mitgebracht, Eiji Ohashi präsentierte trotz seines hohen Alters nicht enden wollende Ohashi-Ketten. Es gab tolle Centipeden aus China und traditionelle Drachen aus Kambodscha und anderen asiatischen Ländern zu bestaunen.
Trotz all des traumhaften Spektakels vergaß man aber auch nicht die manchmal bitteren Seiten des Lebens. So wurde dem kürzlich verstorbenen Drachenfreund Shakib Gunn von der Singapur Kite Association gedacht. Schön, dass Shakibs Tochter dem Drachenfest dennoch einen Besuch abstattete.
Rettungseinsatz
Peter Lynn hatte neben seinen bekannten Drachen einen neuen Manta-Ray mitgebracht. Eine spezielle Flügelprofilierung sollte es ermöglichen, diesen Drachen ohne Trichterschwanz stabil zu fliegen. Wenn auch noch nicht perfekt, ergab es auf alle Fälle schon eine sehr schöne Flugfigur. Zusätzlich hatte Lynn für den Veranstalter zwei neue Drachen designed, ein Krokodil und einen Tiger. Während das Krokodil eher an eine Abwandlung des Geckos erinnerte, überzeugte der Tiger trotz Ähnlichkeit mit der bekannten Katze durch seine tolle Optik. Design und Bewegung harmonierten und ergaben ein stimmiges und lebendiges Gesamtbild.
Wie sehr man hier mit und für Drachen lebt, machten auch mehrere Drachenbergungen deutlich. Peter Lynns Kite-Train war mehrfach abgesackt und quer über den angrenzenden Bäumen gelandet. Mit asiatischer Gelassenheit erklommen flinke Kletterer kurzerhand diese Bäume und sägten einzelne Äste heraus. Als sich das neue Krokodil dann in einem Laternenmast verfing, bestellte man mal eben einen Hubwagen auf das Gelände. Unter großer Begeisterung und Anfeuerung wurden so immer wieder Drachen regelrecht aus den Bäumen gepflückt und gerettet. Ein Einsatz, der in Deutschland kaum und wenn überhaupt, nur mit großen Kosten vorstellbar wäre.
Bunt gemischt
Die offizielle Eröffnungszeremonie am Samstag war geprägt von dem Besuch des Sultans von Johor. Es war eine große Feier mit Ansprachen, Tanz und Gesang. Jede der 28 eingeladenen Nationen war mit einer eigenen Tafel ausgestattet und durch die teilweise mitgebrachten Flaggen erkennbar. Der Sultan schritt im militärischen Stil die Reihen ab und jede Delegation erhielt einen Erinnerungspokal. Im Anschluss hatte die einzelnen Nationen Gelegenheit, vor den hohen Gästen landestypische Drachen, wie die traditionellen Wau-Drachen,
vorzuführen und eine entsprechende Show zu fliegen.
Interessant war für mich die Begegnung mit Andreas Fischbacher vom Drachenclub Rosenheim, der im Moment eine Auszeit in der Drachenschmiede von Peter Lynn nimmt. Fischbacher konnte über viele interessante Erfahrungen berichten.
Wellness-Urlaub
Am letzten Festivaltag machten es sehr böige Winde nicht leicht, die Drachen am Himmel zu halten. Gegen Nachmittag fing es auch noch an, wie aus Eimern zu regnen und zu gewittern. Es war ein imposantes Naturschauspiel, doch die Aussicht auf nasse Drachen am letzten Festivaltag ließ unter den Gästen keine wirkliche Freude aufkommen. Wir sahen uns schon umständlich im Hotel, die Drachen trocknen. Doch kurze Zeit später wehte wieder ein leichter Wind und die meisten Drachen konnten noch vor Ort trocken geflogen werden. Am Abend klang dann das Drachenfest mit einem großen Bankett und leckerem malaysischen Essen in der Turnhalle im Stadion aus. Die Gewinner der Wettbewerbe wurden mit Tanz und Musikeinlagen geehrt. An den folgenden Tagen bestand für die internationalen Gäste die Möglichkeit, im Hotel-Ressort Sibu-Island, einem Inselparadies, zu Relaxen und zu Baden. Hier konnte man mal richtig die Seele baumeln lassen. Am Abend wurde vom Hotel ein Barbecue veranstaltet. Genau das Richtige als Abschluss einer wunderbaren Woche in Malaysia. Tolles Wetter, wechselhafter Wind, leckeres Essen, große Gastfreundschaft und nicht zuletzt die perfekte Organisation lassen bei uns ein schönes Fest und ein tolles Land lange in positiver Erinnerung bleiben.
Text und Fotos: Bernhard Dingwerth

Beeindruckende Stablose bestimmten das Festivalbild

Das Drachenmuseum in Pasir Gudang: Muzium Layang-Layang

Traditioneller Drachentanz vor dem Sultan




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