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Kiter-Eldorado – Drachenfest Fuerteventura

von Redaktion • 12.3.2009 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellen

Über das Drachenfest in Fuerteventura gibt es viele Berichte von erfahrenen Drachenfliegern, die seit Jahren das Fest besuchen. Sie kennen die Insel und ihre Besonderheiten wie ihre Westentasche. Für mich als Neuling hingegen war alles unbekannt. Ahnungslos, aber interessiert habe ich mich auf das Drachenfest eingelassen und einen tiefen Einblick bekommen.


Diese Festivalplakate waren überall in der Stadt verteilt

Der Haifisch scheint zurück ins Meer zu wollen

Die Fuerte-Ziege ist das Maskottchen der kanarischen Insel

Nicht wenig deutsche Drachenflieger zog es nach Fuerteventura

Kunst aus PET

Sport & Design Drachen-Autor Bernhard Dingwerth nutzt Drachen selbst als Modeaccessoire

Die knallroten Starflakes waren absolute Hingucker

Schon fast ein Recycling-Garten, den deutsche Künstler aus PET-Material schufen

Kunterbunt war das Treiben am Strand von Corralejo

Mit seinen grellen Farben hebt sich dieser Georg-Peters-Nachbau vom stockschwarzen Nachthimmel ab

Man könnte das Drachenfest in den Dünen von Corralejo als Fanø des Südens bezeichnen. Nicht unbedingt wegen der Teil­neh­merzahlen, sondern vielmehr wegen der Atmosphäre und der Örtlichkeit. Die Dünen sind schier endlos, der Wind
bläst meist auflandig. Einen kleinen Unterschied gibt es dennoch: Die Fahr­zeuge müssen am Rand der Straße par­­ken und die Drachen per pedes auf den
Strand gebracht werden.
Große Aufregung
Genau genommen sind meine Freundin Tanja und ich keine Neulinge im Drachensport und haben schon an einigen Drachenfesten teilgenommen. Der Besuch auf der spanischen Insel war ein lang gehegter Wunsch. Geschürt wurde er jedes Jahr aufs Neue von Bekannten, die seit vielen Jahren dort zur Stammgruppe gehören.

Den Trip planten wir fast ein halbes Jahr lang, ein passender Flug musste gesucht und das Hotel gebucht werden. Da wir zum ersten Mal mit dem kompletten Drachengepäck eine Flugreise unter­nahmen, mussten wir uns zuerst mit den Gepäckverordnungen auseinandersetzen. Aber egal, wo man sich informierte, man bekam immer eine andere Antwort. Selbst über das notwendige Equipment hätte man sich tagelang einlesen können. Schlussendlich packten wir zwei Taschen, eine längliche für die Stabdrachen und einen Sack für die stablosen Drachen sowie das benötigte Zubehör.
Hindernis überwunden
Nachdem rund 30 Kilogramm Drachen­material in den Taschen verpackt waren, machten wir uns mit vier Personen und zwölf Gepäckstücken auf den Weg zum Schalter. Der Check-in klappte ohne Probleme, die Dame war freundlich, wenn auch überrascht über die Ge­­päckmenge. Unserer Abreise Richtung Flughafen Puerto del Rosa­­rio stand nichts mehr im Wege.

Kaum hatten wir die Dünen erreicht, konnte man bereits den bunten Himmel erkennen. Und das, obwohl das Fest­wochenende noch gar nicht begonnen hatte. In etwa 400 Meter Entfernung
standen die Drachen hoch am Himmel. Nicht weit von dem Treiben entfernt
lag unser Hotel. Am nächsten Morgen wurde schnell gefrühstückt, ein paar Kleinig­keiten für den Strand gepackt und dann machten wir uns auf Richtung Dünen zum Lager der deutschen Dra­chenflie­­ger. Viele Drachenfreunde kannte man schon von Fanø oder anderen Drachenfesten.
Erste Begegnungen
Das Drachenfest Fuerteventura macht vor allem sein internationaler Charakter so interessant. Es waren viele Drachenflie­ger aus England, Italien und Frankreich
anwesend. Natürlich war auch das Gastgeber­land Spanien durch etliche Leute vertreten.

Gegen Mittag kamen viele Schulklassen zum Strand, um sich an den bunten Drachen zu erfreuen. Außerdem erhielt jedes Kind einen von der Gemeinde gesponserten Drachen. Der kleine Delta wird jedes Jahr in einer neuen Farbe
aufgelegt. Falls Probleme beim Aufbau der Drachen auftraten, halfen die anwesenden geübten Drachenflieger zur Freude der Kinder aus. Am Ende dieser Aktion waren dutzende der kleinen orangefarbenen Drachen am Himmel. Wenn man die Schnur zurückverfolgte, sah man nur grin­­sende Gesichter am Strand. So verging der Vormittag wie im Fluge.
Eindrucksstark
Da es auf Fuerteventura wegen der Äquatornähe vergleichsweise schnell dunkel wird, packten wir die Drachen meist gegen 17 Uhr ein und kämpften uns durch die Dünen gen Straße. Am Abend saß man dann noch gemütlich am Hausstrand von Corralejo beisammen.

Am Samstag waren die meisten Dra­chenflieger bereits kurz nach dem Früh­stück am Strand. Da es der erste offizielle Festivaltag war, wurde uns von der Ge­meinde ein Pick-up samt Fahrer zur Verfügung gestellt. Diesen Geländewagen nahmen wir dann auch reichlich in Anspruch, um das umfangreiche Dra­chen­gepäck auf den Strand zu bringen. Dort angekommen, dauerte es nicht lange und der blaue Himmel war mit den tollsten Drachen geschmückt. Viel­fach zu beobachten waren vor allem Papageien, die seit dem letzten Jahr einen enormen Zuwachs erfahren haben. Wenn man gegen Mittag Richtung Strand schaute, konnte man eine wunderschöne Installation von knapp zehn Sentinels entdecken, die bei dem gleichmäßigen Wind sanft vor sich hin und her wackelten.

Am Abend war das traditionelle Nacht­fliegen geplant. Jeder der wollte, durfte teilnehmen und den Strand zum Leuch­ten bringen. Da wurden die Umrisse der Fuerteventura-Ziege, dem Insel-Mas­kottchen, mit Teelichtern erstellt und Drachen an Angeln Gassi geführt. Auch schöne beleuchtete Drachen kamen an den Himmel. Vielfach wurden Deltas mit Lichtern geschmückt, bei denen selbst die Leinen leuchteten. Auch Rokkakus und Sentinels waren zum Nachtflug gerüstet.

Kunst im Wind
Der Sonntag begann wie der Samstag mit auflandigem Wind und angenehmen Temperaturen. Die Sonne schien und bescherte einen herrlichen Tag. Wieder wurden Drachen ausgepackt, manch einer installierte fast zwei dutzend am Himmel und erfrischte sich dann im Meer.

Es war der Tag der Flachdrachen. Ein Freund hatte eine Serie Posterdrachen dabei und verteilte diese neben den Dünen. Die sieben Flugobjekte entwi­­ckelten sich zu beliebten Fotomotiven. Plötzlich tauchte eine Gruppe Marien­käfer auf, die munter über den Strand hopste. Ganz besonders gefielen diese Tierchen den Kindern, die sich mit Freude auf sie stürzten. An einer geschützten Düne hatten sich zwei deutsche Künstler niedergelassen und ihre Skulpturen aus PET-Flaschen rundherum aufgebaut. Ihre Objekte reichten von Windfähnchen über ausgeschnittene Plastik-Haifische bis hin zu fast lebensgroßen Haifischen, die an Angeln befestigt waren. An der Wasserkante entlang wurden diese aufgestellt und es sah fast so aus, als wenn sie ihrem eigent­lichen Lebens­raum näher kommen wollten. Die beiden Künstler, die auf Fuerteven­­tura jedes Jahr die Sonne und den Wind ge­nießen, bauten auch einen Schwarm Feuervögel und noch viele verschiedene Installationen, die den Wind zur Bewe­gung nutzten.

Spielzeit
Zwischendurch wurde zum internationalen Rokkaku-Kampf gerufen. Die Teilnehmerzahl blieb leider übersichtlich, sodass fast jeder einen Preis mit nach Hause nehmen konnte. Die Preisverleihung war Teil der offiziellen Kundgebung. Lokale Politiker begrüßten die Drachenflieger. Im Anschluss spielte eine regionale Musiktruppe typisch spa­­nische Musik und zeigte Folklore-Tänze.

Später wurde zur obligatorischen und beliebten Tombola gerufen. Im Vorfeld des Drachenfests hatten etliche Dra­chenflieger verschiedene Drachen oder Zubehör zum Verlosen gesammelt. Ini­tiiert wurde diese Tombola schon vor Jahren von Rolf und Rosy Geiger. Wäh­rend der Tombola flaute fast unbemerkt der Wind ab und viele der Drachen kamen dem Erdboden näher. Schließlich ging auch den Leichtwindwundern die Puste aus. Es ergab schon ein surrealistisches Bild der auf dem Boden liegenden Drachen. Die Schnüre lagen kreuz und quer auf dem Sand und glichen den Stäbchen eines Mikadospiels.

Abschied
Zum Abschluss des Festes gab es ein Feuerwerk am Hausstrand. Besondere Vorsicht musste man bei dem Zusam­menspiel von Wind und Feuerwerks­körpern walten lassen, aber es ging alles glatt und man konnte ein wunderschönes Feuerwerk genießen. Eigentlich war es geplant, kleine Himmelslaternen in den spanischen Himmel zu schicken. Dazu war extra die örtliche Feuerwehr mit
mehreren Fahrzeuge an den Strand gekommen. Leider wurde die Aktion wegen des auflandigen Winds sicherheitshalber abgesagt.

Für mich persönlich war es ein besonderes Fest. Es hat sehr viel Spaß gemacht, in der Sonne am Strand Drachen zu fliegen. Viele unterschiedliche Charaktere kommen hier zusammen, die eines gemeinsam haben: das Verspre­chen wiederzukommen.

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