Hot-Spot – Drachenfest auf Fuerteventura
von Redaktion • 7.1.2010 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellenWie es die Zugvögel im Winter in südliche Gegenden verschlägt, ziehen auch zahlreiche Drachenflieger der Sonne hinterher. Während sich in anderen Teilen Europas die Saison ihrem Ende neigt, wird die kanarische Insel Fuerteventura im November zum Treffpunkt für Drachenflieger aus aller Welt. Bei sommerlichen 28 Grad findet hier eines der letzten großen Events im Drachenkalender statt: das Festival de Cometas, das ein
buntes Spektakel im Norden der spanischen Insel ist.


In der Badebucht von El Cortillo wurde das Drachenfest auf Fuerteventura eröffnet

Teddy im Hippie-Look

Der Ghost von Martin Lester hat einen Umhang mit im Licht der Sonne changierenden Farben bekommen

Mehr als 200 Schulkinder bekamen je einen Drachen von der Gemeinde geschenkt

Das Aquarium mit Fischen aus PET-Flaschen von Werner Bache

Nachbau eines historischen Roloplans

Den ganzen Samstag über halfen die Organisatoren des Drachenfests von der Tourismusinformation in Corralejo den Kindern beim Basteln ihrer Drachen

Traute sich auch bei viel Wind an die frische Luft: Mainzelmännchen Anton

Rokkakukampf: Zehn Piloten traten gegeneinander an, um gegenseitig ihre Kampfdrachen vom Himmel zu holen

Am Freitag bestimmten Bols das Bild am Strand, denn für viele andere stablose Drachen herrschte zu viel Wind

Für Lichteffekte sorgten die Drachenflieger beim Nachtfliegen

Die Lenkdrachenflieger profitierten von der ordentlichen Brise
Die schwarz geteerte Straße
schlängelt sich durch das Braun der Landschaft. Links und rechts erstrecken sich kahle sandige Felder, ab und an unterbrochen von einem dunkel aufragenden Hügel. Kein Baum, keine Blumen, nirgends ein Hauch von Grün. Fuerteventura ist eine Insel, die nicht gleich preisgibt, was sie zu bieten hat. Wie aus dem Nichts tauchen auf dem Weg plötzlich winzige Dörfer auf, deren Weiß der Häuser in der Sonne strahlt. Die öden Felder weichen hellen Sandbergen, die ab und an einen Blick auf das dahinter liegende türkisblaue Meer freigeben: die Dünen von Corralejo im Norden der kanarischen Insel. Hierher reisen Drachenflieger aus aller Welt, um die Saison mit einem viertägigen Drachenfest gebührend ausklingen zu lassen.
Gegensätze
Doch der erste Stopp führte noch tiefer in den Norden. Nach El Cotillo, eine kleine Hafenstadt, die sich langsam zum Touristenort entwickelt. Hier sollte zum ersten Mal das Drachenfest eröffnet werden. Warum gerade hier? Der Ort wirkt verschlafen, viele Baustellen prägen das Stadtbild. Doch dann: am Rande des Dorfs erstreckt sich eine kleine Badebucht, die fast schon einem Privatstrand ähnelt. Feiner Sandstrand, unbewegtes Wasser, sodass man am liebsten sofort hinein springen möchte. Die Schätze Fuerteventuras entdeckt man eben erst auf den zweiten Blick.
In El Cortillo angekommen, waren schon eine Handvoll Drachenflieger am Strand. Es herrschte Urlaubsatmosphäre. Während die mitgebrachten stablosen Drachen den Himmel schmückten, wurde gebadet und gesonnt. Da zappelte eine blaue Krabbe über dem Wasser, dort flatterten bunte Papageien und ein gut 3 Meter messender Bär entging nur knapp einem ungewollten Wasserbad. Hier kennt jeder jeden. Seien es Spanier, Deutsche, Briten, Niederländer oder Italiener – man kennt sich von anderen Drachenfesten oder aus den vergangenen Jahren. Sprachbarrieren wurden mit Händen und Füßen überbrückt. Die Organisatoren des Drachenfests von der Touristeninformation in Corralejo taten ihr Übriges, um die große Familie der Drachenflieger miteinander bekannt zu machen. Sie verteilten T-Shirts mir dem Drachenfest-Logo an die Teilnehmer, jeder bekam einen Button mit seinem Namen und am Nachmittag sorgten sie für ein gemeinsames Essen am Strand.
Sturmerprobt
Am Freitag fand dann die offizielle Eröffnung des Drachenfests in den Dünen von Corralejo statt. Bürgermeister, Sponsoren und Organisatoren begrüßen die Gäste, die sich seit dem frühen Morgen in den Dünen oder am Wasser ihren Platz gesucht haben. Bei durchgehenden Windstärken von 5 bis 6 Bft. zögerten allerdings viele, ihre ganz großen Stablosen aus den Taschen zu holen. So waren es bunt gestreifte Turbinen, regenbogenfarbene Bols und kleinere Einleiner wie Gitarren und Leuchttürme sowie fantasievolle Windspiele, die das Bild am Strand prägten. Die Lenkdrachenflieger nutzten allerdings die Gunst der Stunde, und heizten einzeln, im Gespann oder im Pair durch die Luft.
Weitaus weniger zögerlich zeigten sich auch die Kinder, die von sieben Schulen extra zum Eröffnungstag angereist waren. Jedes erhielt von der Gemeinde einen eigenen Drachen, mit dem die Kids den Himmel unsicher machen konnten. Mehr als 200 Kinder ließen die leichten Flugobjekte durch die Luft wirbeln, wodurch nicht selten ein großes Knäuel aus verhedderten Leinen und Drachenschwänzen entstand. Das „bisschen“ Wind konnte ihre Begeisterung aber nicht eindämmen. Je mehr die Drachen in der Luft flatterten, desto mehr Spaß hatten sie an der Sache.
Wie sehr sich Kinder für das Drachensteigen interessierten, zeigte auch der Workshop am darauf folgenden Tag. Zwei Holzleisten, ein rautenförmiges Stück Tuch, ein bunter Schwanz und eine Schnur waren die Utensilien, aus denen Kinder den gesamten Samstag Eddys bauen konnten. Ihre Freude, wenn es dann auch mit dem Aufstieg klappte, entschädigte die Helfer, die bei 28 Grad im Schatten gut 200 Drachen basteln mussten.
Kunst aus Plastik
Für die starke Brise dankbar zeigte sich auch Claudine Macquart inmitten ihrer Windblumen aus Frankreich. Sie präsentierte ihren Windgarten aus Recylingflaschen. Aus alten PET-Flaschen und deren Schraubverschlüssen bastelt sie verschiedenfarbige „Blüten“, die auf einen Plastikstab gesetzt sich im Wind drehen. Ein einzigartiges farbiges Schauspiel, da sich die Blüten je nach Windrichtung und -stärke mal schneller und mal langsamer bewegen. Für ihre „Wiesen“ und „Sträucher“ „züchtet“ Claudine Macquart verschiedene Arten von Plastikblumen. Die PET-Flaschen hierfür sammelten sie daher in verschiedenen Ländern: die blauen stammen aus Deutschland, die grünen kommen aus Frankreich und die gelben sind aus Italien.
Kunst aus Plastik präsentierte auch der deutsche Drachenflieger Werner Bache aus Waiblingen. Er baute ein Aquarium aus PET-Fischen auf. Dafür spannte er zwischen drei Stäbe Drähte, an denen kleine Plastikhaie, Wale und Delfine befestigt wurden. Fiel die Sonne dann auf das Aquarium, sorgte dies für schöne Lichteffekte.
Dass Drachenflieger oft begabte Künstler sind, bewies auch das Nachtfliegen. In einer versteckt gelegenen Badebucht inmitten des Touristenorts Corralejo versammelten sich die Piloten am Samstagabend, um beleuchtete oder mit Reflektoren ausgestattete Drachen in die himmlische Sphäre zu schicken. Fast schon gespenstisch wirkten die großen Mantas und Deltas, die hin und her bewegt das Dunkel durchbrachen.
Mainzelmännchen und Co.
Am Sonntag ließ dann endlich der Wind etwas nach und die richtig großen Einleiner wurden an den Himmel gestellt. Ein Trend zeichnete sich sofort ab. Mainzelmännchen waren auf Fuerteventura angesagt. Zwischenzeitlich tummelten sich bis zu fünf dieser Trickfiguren in verschiedenen Größen am Himmel. Anton, Berti, Conni, Det, Edi, Fritzchen stammen ursprünglich aus der Hand von Karl-Ludwig Öchsle, der sie nach einer Stofffigur entworfen hatte.
Aber auch sonst waren die Drachenflieger mit zahlreichen Schätzen angereist. Der Ghost von Martin Lester, Nemo sowie Ernie und Bert tauchten am Himmel auf, nachgebaute Roloplane, Haie und Krokodile machten die Dünen von Corralejo zu einem Eldorado für Drachenflieger.
Der nachlassende Wind ließ auch die Rokkaku-Kämpfer zum Zug kommen. Zehn Piloten traten gegeneinander an, um mit ihren scharfen Schnüren die Kampfdrachen der Gegner vom Himmel zu holen. Hier machten auch unerfahrene Drachenflieger mit. Und obgleich der Erfolg häufig ausblieb, zählte doch der Spaß an der Sache.
Vorfreude
Urlaubsfeeling, familiäre Atmosphäre, Wind und Sonne und dazu die einzigartige Landschaft Fuerteventuras – das Festival de Cometas bietet den perfekten Rahmen, die Saison gebührend ausklingen zu lassen. Auch für 2010 sollte dieser Termin in keinem Drachenkalender fehlen.




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