Sport & Design Drachen

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Fänømenal – 25 Jahre Kitefliersmeeting auf Fanø

von Redaktion • 13.7.2009 • Kategorie: Reisen & Erleben • Sport & Design Drachen bestellen

Trends kommen und gehen. Was heute noch modern ist, kann morgen schon veraltet sein. Immer schneller dreht sich das Rad der Zeit, immer mehr muss der moderne Mensch von heute darauf bedacht sein, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Da ist es gut, wenn es feste Dinge im Leben gibt. Dinge, die sich nicht oder nur bedächtig verändern. Dinge, die zu festen Fixpunkten in unserer hektischen Zeit geworden sind. Von solch einem Fixpunkt soll an dieser Stelle die Rede sein, denn das International Kitefliersmeeting auf Fanø konnte in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum feiern. Seit nunmehr 25 Jahren, einer Generation also, findet dieses besondere Meeting statt. Sport & Design Drachen war natürlich auf dieser Party mit dabei.


Windelweich: Teddy-Bären aus Pampers-Stoff

Amphi-Rep-Meeting mit Sport & Design Drachen-Autor Bernhard Dingwerth: Frösche und Lurche machten sich über Fanø breit


Der neue Compound Cody der Osnabrücker Drachenfreunde ist gigantisch


Die KAPer hielten das Meeting aus der luftigen Perspektive fest


Pfiffig: Variables Kastensystem nach Rainer Hofmann

Lamson Aerocurve des Schweizer Charles Tacheron


Walter Diem referierte über historische Wetterdrachen


Die Fanø Classics standen ganz im Zeichen des Lindenberg N-Drachens


Beim Damen-Workshop hatten allein die Frauen das Sagen. Eva Maria Dietrich verziert ihren Hata mit Snoopy


Erfolgreiches Ergebnis des Classic-Workshops: Der Lindenberg-N-Drachen hat sich sicher in die Luft erhoben


Geburtagsgeschenk für Willi Koch: 70 seiner Drachen über Fanø. Für jedes Lebensjahr des Jubilars einer


Lutz Treczoks fasste 25 Jahre Fanø in einer Ausstellung zusammen


Farbenfrohes Treiben am Strand auch bei Starkwind

Das Sterne-Pärchen sorgte für ordentlich Aufsehen

Dieses Männchen ist mal ein ganz anderer Bodenanker

Fanø also – diese gerade einmal 56 Quadratkilometer umfassende Sand­­bank vor den Ufern der dänischen Hafenstadt Esbjerg. Fanø – Kleinod in der Nordsee und ab nächs­­tem Jahr Teil des Nationalparks Watten­­meer. Fanø – eine teils verträumt, verschlafene Provinz im äußersten Zipfel Jütlands, dann wieder Nabel der Welt sowie Dreh- und Angelpunkt der internationalen Dra­chenszene. Fanø also – die Insel der Inseln oder, wie es einmal ein Hamburger sehr treffend ausgedrückt hat, das Woodstock der Dra­chenflieger.

Geheimtipp
2009 schreiben wir das 25. Jahr einer Er­­folgsgeschichte, die die Initiatoren seinerzeit gewiss nicht so erwartet hätten. Der Anfang war nämlich wesentlich bescheidener und nicht zu vergleichen mit den tausenden von Drachen im Luftraum über Fanø heute. Für Familie Schimmelpfennig aus Hamburg war die dänische Nordseeinsel bevorzugtes Rei­seziel in den Sommerferien. So lag es nahe, dass Wolfgang Schim­melpfennig eines Tages seine Drachen­freunde auf den Spot im nördlichen Nach­barland aufmerksam machte. Im ersten Jahr waren es nur knapp 30, die den Weg nach Fanø fanden. Der Strand war riesig, das Wetter hervorragend und die Bedingungen somit perfekt. Eine unglaubliche Erfolgs­ge­schich­te nahm so ihren Anfang.

Angelockt von den Erzählungen der ersten Fanø-Reisenden kamen im zweiten Jahr schon mehr Drachenflieger auf die Insel. Der „Virus“ breitete sich von Ham­burg über Bremen und Berlin auf die ganze Republik aus. Dabei legten die Organisatoren Rainer Kregovski und Wolfgang Schimmelpfennig von Anfang an bewusst Wert darauf, dass Fanø ein Treffen ist und kein Drachenfest. Das ungezwungene Beisammensein steht im Vordergrund, nicht irgendein Programm zur Belustigung der anwesenden Zu­­schauer. Obwohl es auch auf dem Kitefliersmeeting nicht ganz ohne Rahmenveranstaltungen geht. Fast unbemerkt entstand im Laufe der Jahre eine Art Subkultur von Events, die sich zwar an das Publikum des Drachentreffens richtet, jedoch nicht unter dem Einfluss der Initiatoren steht.

Selbstläufer
An erster Stelle ist hier die Fähraktion des Berliners Hans Soyka zu nennen. Hans und sein Team bieten Drachenfreunden, die nach Fanø reisen, Jahr für Jahr Fährkarten zu verbilligten Konditionen an. Was bei dem ganzen Trubel um das 25-jährige Jubiläum des Kitefliersmeeting ein wenig in den Hintergrund geraten ist: Auch Hans und sein Team konnten in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiern. Seit nunmehr 20 Jahren besteht die Fähraktion.

Einige Jahre lang bot auch die Drachen-Foundation Workshops auf der dänischen Insel an. Viele namhafte Drachenbauer, wie Jose Sainz, Robert Trépanier und Willi Koch, fanden so den direkten Zugang zum interessierten Publikum. 2003 fand allerdings der letzte dieser Workshops
auf Fanø statt.

Vier Jahre früher, 1999, starteten die Fanø Classics in ihre erste Runde. Seinerzeit noch unter dem Namen Internationales Tetraeder-Treffen beleuchtete die vom Autoren ins Leben gerufene Veranstaltung die Drachen von Alexander Graham Bell. Aufgrund der positiven Resonanz war schnell klar, dass diese Veranstaltung eine Fortsetzung mit jährlich wechselnden Themen finden sollte. So wurde die Veran­staltung kurzerhand in Fanø Classics umgetauft und jedes Jahr ein anderer, historischer Drachen beleuchtet.

2006 war ein richtig gutes Jahr für das Kitefliersmeeting, kamen doch gleich zwei neue Aktionen auf die Tagesordnung. Zum einen rief Sport & Design Drachen-Autor Bernhard Dingwerth zu einem Treffen der Robben-Liebhaber auf. Das erste Treffen wurde zu einem vollen Erfolg und der Ruf nach einer Wiederholung kam auf. Jahr für Jahr treffen sich nun die Freunde der stablosen Drachen zu einem bestimmten Motto traditionsgemäß am Freitag in der Nähe der blauen Fahne am Strand. Ebenfalls 2006 startete Eva Maria Dietrich mit einem Angebot speziell für dracheninteressierte Frauen: Ohne die nervenden Zwischenrufe ihrer Männer sollten die Damen ungestört Drachen bauen dürfen.

Jubiläumsaktionen
2009 ging das Drachentreffen somit in seine 25. Runde, ein Anlass den viele Drachenfreunde nutzten, um nach Fanø zu kommen. Die Sommerhäuser waren schon lange vor dem Termin ausgebucht, der Platz am Strand wurde an manchen Tagen sogar knapp. Insbesondere an den beiden Tagen mit Top-Wetterbedingun­gen, Mittwoch und Samstag, war die 5 Kilometer lange Strecke zwischen Fanø Bad und Rindby komplett mit Drachen belegt. So viele Drachen auf einmal am dänischen Himmel gab es noch nie. Ein würdiges Geburtstagsständchen.

Traditionsgemäß findet der Eröff­nungs­abend am Festdonnerstag in der Reithalle statt und ist dazu gedacht, alte Freunde wiederzutreffen, neue zu finden oder einfach mit Gleichgesinnten zu klönen. Am Samstag findet dort auch die Versteigerung zu Gunsten der Kinderhilfe von Kolum­bien statt. Anlässlich des Jubiläums wurde in diesem Jahr jedoch das Programm geändert. In einem Zelt vor der Reithalle dokumentierte „8er-Lutz“ Treczoks die vergangenen Jahre des Drachentreffs mit Bildern und Texten. Für die Auktion an sich hatten die Besucher im Vorfeld Drachen und Material gespendet, die dann mit viel Charme und Berliner Schnauze von Alfons Carstens an den Mann gebracht wurden. Obwohl die Auktion in diesem Jahr auf zwei Stunden begrenzt war, kamen dennoch beachtliche 7.600,– Euro zusammen, die in vollem Umfang an die Kinderhilfe von Kolumbien fließen. Ebenfalls für die Kinderhilfe bestimmt ist der Erlös aus der Buggy-Taxi-Aktion, die am Strand von Rindby durchgeführt wurde und einen Erlös von satten 1.500,– Euro erbrachte. Zur Musik der Hamburger Band Roaring Silence feierten die Drachenfreunde dann noch bis tief in die Nacht.

Fanø Classics
Das Thema der Fanø Classics war in diesem Jahr „Das Aeronautische Observa­torium bei Lindenberg“ und begann mit dem traditionellen Symposium in der Schule von Nordby, wo Vorträge zu zahlreichen, wunderschönen Exponaten wie beispielsweise dem Grund Regulierdra­chen und dem Schirmdrachen von Hermann Schreck gehalten wurden. Falk Hilsenbek eröffnete die Veranstaltung mit seiner Abhandlung zum Bau eines Lindenberg X-Drachens. Anschließend führte Werner Schmidt in die Geschichte des Ob­­servatoriums ein, erzählte Anek­doten und zeigte so manch unbekannte Historie des Instituts auf. Im Anschluss referierte Walter Diem über die meteorologischen Messungen mit Hilfe von Ballons. Im Anschluss zeigten die beiden anerkannten Kenner des Observatoriums in Lindenberg und Verfasser des Buchs „Drachen mit Geschichte. Historische Modelle zum Selberbauen“ bis dato un­veröffentlichte Bilder von Drachen und deren Aufstiegen.

Der Classic-Freitag steht traditionell im Zeichen des Workshops und so wurde in diesem Jahr eine auf 50 Prozent verkleinerte Version des Lindenberg N-Drachens gebaut. Michael von Rockenthien zeichnete für diesen Work­­shop verantwortlich. Die Konstruktion ist sehr aufwändig und daher alles andere als ein Workshop-Drachen. Doch Michael beseitigte dieses Manko mit einer grandiosen Vorarbeit und so bekamen die 18 Workshop-Teilnehmer einen Bausatz in die Hand, der seinesglei­­chen sucht.

Den Lohn all dieser Arbeit ernteten sowohl Michael als auch die Workshop-Teilnehmer am Samstag, als sie bei bestem Wetter ihre Drachen in die Luft brachten. Neben Schirm- und Grund­drachen eben auch die Workshop-Ergebnisse. Leider war bei einigen Drachen die Waage nicht korrekt eingestellt, so­­dass es bei einigen zu einem Bruch kam. Insgesamt war es aber ein toller Anblick die N-Drachen in der Luft zu sehen.

Comic-Helden und Frösche
Zur selben Zeit und an selber Stelle flogen die Drachendamen um Eva Dietrich ihre Workshop-Drachen, die sie Tags zuvor in der Schule von Nordby fertiggestellt hatten. Tanja Josten hatte vorab 16 Blanko-Hatas gebaut und diese mit auf die dänische Nordseeinsel gebracht. Die Work­shop-Teilnehmerinnen bemalten diese Drachen dann nach eigenem Gusto, wobei die Motivwahl ganz unterschiedlich ausfiel und von Comic-Vorlagen bis hin zu japanischen Schriftzeichen reichte. Am Strand mussten die Drachen dann ihre Flugtüchtigkeit unter Beweis stellen. Schon nach kurzer Zeit war der Himmel gefüllt mit den kunstvoll bemalten Drachen der Frauen.

Wie man den Himmel füllt, weiß wohl auch niemand besser als Bernhard Dingwerth aus Kassel. Immer wieder macht der kreative Drachenbauer durch neue, fantastische Großdrachen auf sich aufmerksam. Zum nunmehr vierten Mal rief Bernhard am Festfreitag zu einem Treffen auf und lockte viele neugierige Drachenflieger zum Meeting-Point. Das Event stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Amphibien und so verwunderte es nicht weiter, dass der Himmel schon lange vor dem vereinbarten Termin mit Fröschen, Lurchen und anderem Getier bevölkert war.

Gigantisch
Neben diesen Terminen macht den besonderen Reiz der Insel aber auch der breite Sandstrand aus, der zum Dra­chenfliegen einfach einlädt. Ein genauer Blick offenbart hier wundervolle Dra­chenkreationen. Wie beispielsweise der Drachen von Charles Tacheron aus der Schweiz. Charles war zum ersten Mal auf der Insel und zeigte hier seinen Nachbau eines Lamson-Aerocurve. Sieben Jahre Arbeit stecken in diesem klassischen Nachbau und daher war die Freude groß, als die wunderschöne Replik majestätisch in den Himmel stieg.

Ebenfalls eine Replik, aber mit neuen Materialien, ist der Compound Cody der Drachenfreunde aus Osnabrück. Unter Zuhilfenahme der fachlichen Kompetenz von Lutz Trezoks bauten die Vereins­mitglieder in anderthalb Jahren einen Giganten. 9 Meter Spannweite misst der Cody, er wiegt 18 Kilogramm und verfügt über ein Gestänge von 30-Millimeter-CFK. Ein zweiter Compound XXL entsteht übrigens gerade in der Werkstatt von „8er-Lutz“.

Etwas kleiner, aber nicht minder spektakulär, ging es weiter nördlich am Strand zu. Anlässlich des 70. Geburtstags von Willi Koch, der weithin für seine Workshops bekannt ist, auf denen in der Regel Drachen in Streifentechnik gebaut werden, dachten sich Willis Workshop-Teilnehmer etwas ganz Be­­son­­deres aus: 70 Koch-Drachen sollten gleichzeitig in die Luft gesetzt werden. Und wirklich – es klappte! Für jedes Jahr des Jubilars stand einer sei­­ner Drachen in der Luft – das war Gänse­haut-Atmosphäre pur.

Apropos Haut – was schützt in aller Regel Kinderhaut? Richtig: Produkte der Marke Pampers. Was man noch alles mit diesen Windeln anfangen kann, zeigten Christoph Huesmann und Stephan Berndzen, die drei Teddys nach Peter Lynn bauten. Aber eben nicht aus Spinnaker, sondern aus dem berühmten Stoff, aus dem normalerweise besagte Windeln gefertigt werden.

Fest der Kreativen
Ebenfalls neue Wege beschritt Rainer Hoffmann aus Husum. Das sympathische Nordlicht kam mit einem variablen Kastendrachensystem nach Fanø. Das Neue daran ist, dass man die einzelnen Module nach Lust und Laune zusammenbauen kann. Nur die eigene Kreativität und die Anzahl der vorhandenen Module setzen hier die Grenzen. Einen Bauplan gibt es hierzu in der nächsten Ausgabe von Sport & Design Drachen.

Keine Grenzen scheinen dagegen die Freunde der Luftbildfotografie zu kennen. Hoch hinaus schickten sie ihre Ka­­meras und fingen unser luftiges Hobby aus immer neuen Perspektiven ein. Die KAPer zog es dieses Jahr in Scharen auf die Insel, sodass kurzerhand ein eigenes Treffen für sie an der blauen Fahne anberaumt wurde.

Diese Woche auf Fanø war Drachenflie­gen pur. Um den ganzen Umfang der Attrak­tionen und der Atmosphäre zu erfassen, hilft letztendlich nur eines – selbst gen Fanø reisen und eintauchen in dieses fantastische Ambiente aus Farben und Formen, eintauchen in eine ganz eigene Welt, eintauchen in die Freundschaft der Drachenflieger. Wer das bunte Treiben am Strand beobachtet, wird feststellen, dass der Jubilar auch nach 25 Jahren kein bisschen müde ist und hoffentlich noch viele, wunderschöne Drachenfeste folgen. 2010 findet das Kite­fliers­meeting auf Fanø vom 17. bis zum 20. Juni statt.


So bunt wie in diesem Jahr war der Himmel über
Fanø nie zuvor

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