Sport & Design Drachen

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Rhythmusgefühl – Inventos Limbo als Gespann

von Redaktion • 13.7.2009 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellen

Invento hat dieses Jahr den neuen Limbo im Programm. Ein Einsteigerdrachen der RTF für sagenhafte 29,98 Euro in die Läden kommt. Da es den Limbo in drei ansprechenden Farbkombinationen gibt, haben wir daraus kurzerhand ein Gespann gebaut und zum Tanz aufgefordert. Mal sehen, ob auch Einsteiger mit dieser kostengünstigen, aber dennoch hochwertigen Entwicklung fliegen können.



Neben Neon-Grün gibt es den Limbo noch in Blau und Rot


Außergewöhnlich gute Näharbeit für einen Einsteigerdrachen

Mit dieser Nase aus solider Lkw-Plane, Dacron und Kevlar ist man als Anfänger speziell für die ersten Flüge gewappnet

Lufttaschen zum Bremsen des Limbos


Saubere Kreuzlösung


Fliegen wie auf Schienen – die Limbos harmonieren geradezu virtuos miteinander


So werden die Koppeltampen befestigt


Der Limbo ist ein Drachen für Hobby-Neulinge. Das ist klar daran zu erkennen, dass er komplett mit einem bruchfesten 5-Millimeter-Vollglasfiebergestänge ausgerüstet ist. Hinzu kommen eine Sicherung durch Klettband und eine Nase aus solider Lkw-Plane unterlegt mit mehreren Schichten Dacron und Kevlar. Die perfekt ausgeschnittenen zwölf Paneele aus schwerem Ripstop-Polyestertuch sind dabei in hervorragender Qualität mittels geklebter Segelmachernaht verbunden. In den Flügelspitzen wurden Lufttaschen aufgenäht, die die Endkante stabilisieren und dafür sorgen, dass der Drachen leise fliegt und nicht flattert. Die untere Querspreize ist durchgehend und mittels eines Gummirings gesichert.

Stabile Konstruktion
Die Dreipunkt-Waage mit zusätzlichem Halteschenkel zu der Leitkante fängt das weiche Gestänge gut ab. Verschraubte Stand-Off-Halter sorgen dafür, dass keine Teile bei einem Crash verloren gehen, die hauseigenen Verbinder halten die Stäbe ausgezeichnet fest zusammen. Bei den Leitkantenausschnitten für die Verbinder wurde für ausreichend Platz gesorgt. Die Schleppkanten sind doppelt umgelegt und mit engem Stich vernäht. Mit dieser Technik bleibt der Drachen leise, obwohl er keine Saumschnur hat. Die Leitkanten wiederum werden mit Gewebegummis abgespannt, um bei einem Leitkanten­aufprall einen Bruch zu vermeiden.

Hervorzuheben ist die außergewöhnliche Klebequalität der Stopperclipse. Bei den Tests wurde der Limbo bei über 4 Bft. mehrfach absichtlich hart in den Boden gerammt, so wie es Einsteigern passieren kann. Unter diesen Extrembedingungen hat sich weder ein Clip gelöst, noch ist
ein Stab gebrochen. Nur selten ist mal ein Stab aus den Verbindern gerutscht und wenn, dann weit am Segel vorbei. Die Klettbandabspannung des Kielstabs hielt ebenfalls der etwas „rüden“ Behandlung stand. Das Band löste sich und verhinderte so Beschädigungen am Kielstab. Sehr beeindruckend.

Der Limbo ist in drei unterschiedlichen Farbvarianten erhältlich, nämlich in Neon-Grün, Blau und Rot gemischt mit Weiß, Grau und Schwarz. Der farbige Teil bildet jeweils ein gestrecktes M.

Ready to start
Der Aufbau des Limbos verläuft dank der sehr guten und in mehreren Sprachen mitgelieferten Anleitung von Invento problemlos. Lediglich mit der Gummi­siche­rung in der Mitte der unteren Querspreize könnten einige Piloten beim Aufbau Schwierigkeiten haben, da zum Einsetzen etwas Kraft nötig ist. Die mitgelieferten dehnungsarmen Dyneemaleinen auf einem Winder waren bei allen drei Testmodellen exakt gleich bemessen und mit 25 Meter Länge und 40 Kilogramm Bruchlast perfekt für den Einstieg geeignet. Statt-20 Meter-Leinen, wie sie auf den Fieldcards angekündigt waren, gehörten 25-Meter-Leinen zum Lieferumfang. Die Kürzeren wären für Einsteiger auch weniger passend, da der Weg nach unten kaum Korrekturmöglichkeiten erlaubt hätte. Die mitgelieferten ungepolsterten Hand­schlaufen eignen für den Limbo im Soloflug besonders gut. Sie vermitteln ein gutes Feedback zum Drachen.

Solotanz
Nach dem Auslegen der Leinen und dem Anbuchten dieser an Kite und Griffe kann es losgehen: Der Spaß beginnt wie von Invento angegeben bei 2 Bft. Ein beherzter Zug an den Leinen und der Limbo steigt ohne wegzudrehen oder zu wackeln sauber in den Himmel, wo er zwar bei wenig Wind noch nicht stehen bleibt, aber auch nicht wegtrudelt. Man kann ihn durch die recht großzügigen Lenk­bewe­gungen schön auf Strömung halten und merkt sofort, dass der 156 Zentimeter kleine Ein­steigerdrachen präzise fliegt. Saubere Geraden, Spins fast innerhalb des Segels und auch Ecken lassen sich mit ihm in den Himmel zeichnen. Die Kreispräzision ist für einen 30-Euro-Drachen wirklich beeindruckend. Scharfe Push/Pull-Befehle mag der Limbo jedoch aufgrund seines weichen Gestänges nicht besonders. Was aber nicht weiter negativ auffällt.

Die Fluggeschwindigkeit des Limbos ist für einen Einsteigerkite recht spritzig. Auch die „Windfänger“ an den Flügel­spitzen ändern daran nur wenig. Langeweile mit ist mit diesem Kite ein Fremdwort. Bei zunehmendem Wind ab 4 Bft. legt er sogar richtig los und baut weiter Zug auf. Das gute Feedback über die Leinen lässt Anfänger nach kurzer Einweisung sofort mit dem Limbo zurechtkommen. Schnell bekommen sie das gute Gefühl, dass der Kite einige „Fehlflüge“ verträgt und sich somit gut zum Üben eignet.

Über 4 Bft. wird der Limbo nicht viel schneller, legt aber an Zugkraft noch­­mals zu, sodass die ungepolsterten Schlau­fen durchaus in die Hände „beißen“ können. Die Waage ist durch einen Schiebeknoten an den vorherrschenden Wind anzupassen. Aber nur geringfügig, denn die Halteleine für die Leitkante hat eine feste Länge. Während unserer Tests ließ sich im Übrigen mit der Grundeinstel­lung ein großer Windbereich problemlos abdecken. Sogar einfache Tricks klappen mit dem Limbo problemlos.

Dreier-Konstellation
Bevor man die Gespanntauglichkeit des Limbos testen kann, ist es notwendig, etwas zu basteln: Benötigt werden zirka 30 Meter 70-Kilogramm-Waageleine, ein Zollstock, ein Cutter und ein Feuerzeug. Da die Limbos keine eigenen Tampen haben, an denen man die Koppelleinen befestigen kann, benötigen wir insgesamt 20 Tampen (fünf für den Leitdrachen, zehn für den Mittleren und fünf für den Folgedrachen). Zu empfehlen ist, jeweils Stücke mit dem Cutter in der Länge von 35 Zentimeter abzuschneiden. Die Enden werden gleichmäßig mit dem Feuerzeug erhitzt, damit sie später nicht ausfransen. Diese 20 Leinenstücke sind nun am Ende gleichmäßig zu verknoten. Im Abstand von 2 Zentimeter wird jeweils ein weiterer Knoten gesetzt. Dieser dient dazu, das Gespann später besser an den vorherrschenden Wind anpassen zu können.

Wenn alle Tampen fertig gestellt sind, können wir sie bereits an den Drachen befestigen. Fünf Stück werden jeweils auf die Rückseite des Leitdrachens befestigt: Zwei oberhalb des Verbinders für die obere Querspreize, zwei unterhalb des Verbinders für die untere Querspreize und einer unterhalb des Kreuzes. Die Tampen werden einfach um den Stab gebuchtet (also genau so wie bei den Flugleinen). Beim mittleren Drachen ist dieser Vorgang zu wiederholen, nur, dass hier fünf Tampen auf die Vorderseite angebracht werden und fünf auf der Rückseite. Beim Folgedrachen zeigen die Tampen natürlich nach vorne.

Durchgekoppelt
Da alle drei Limbos gleich groß sind, muss man längere Koppelleinen wählen als bei einem progressiven Gespann. Denn sonst nehmen sich die Drachen gegenseitig zu viel Wind. Wir haben deswegen für unser Gespann Koppelleinen in der Länge von netto 180 Zentimeter gewählt. Für das Dreiergespann benötigt man demnach zehn solcher Leinen, die wie folgt herzustellen sind: Je nach Qualität und dicke der Waageleine kann es zu leichten Unterschieden kommen. Was sich jedoch nicht weiter negativ auswirkt. Es sind zehn Leinen zu jeweils 204 Zentimeter abzuschneiden. Die Enden werden auch hier wieder mit dem Feuerzeug erhitzt. Alle 10 Zentimeter auf jeder Seite macht man einen Knick und zieht eine Schlaufe, indem ein Knoten gesetzt wird.

Nun stellen wir die aufgebauten Drachen in einer Reihe auf und buchten die Koppelleinen jeweils an den kürzeren der beiden Knoten der Tampen. Beim Folgedrachen werden allerdings an den beiden Tampen der oberen Querspreize die längeren Knoten verwendet, damit der hintere Limbo etwas steiler zum Wind steht als die Vorderen. Wichtig ist auch, den Leitdrachen an dem Schiebeknoten zirka einen Zentimeter flacher zu stellen.

Choreographie zu dritt
Ein Gespann braucht normalerweise immer ein wenig mehr Wind als Soloflieger. Umso überraschter waren ­
wir, als das Gespann sich nach einem festen Ruck und gleichmäßigem Rück­wärtslaufen beim Start ohne Probleme in die Lüfte erhob und dort ohne große Eigenbewegung zu halten war. Der Zug auf den Leinen war dabei angenehm und die dünnen mitgelieferten Leinen reichten völlig aus. Ein Bft. mehr und das Gespann fliegt wie auf Schienen. Alle drei Limbos harmonieren ab 3 Bft. gut mit­einander. So bricht selbst bei engen
Spins keiner der Dreien aus und das Gespann bleibt eine Einheit. Die Flug­geschwindigkeit ist dabei kaum langsamer als im Soloflug, was wirklich verblüfft. Die gute Präzision wie bei einem einzelnen Drachen bleibt erhalten.

Dank des schönen Designs ist das Flug­bild harmonisch und wirkt geradezu majestätisch. Lediglich das Parken des Gespanns am Zenit ist nur mit ein wenig Bewegung möglich. Für den Flug bei 3 und mehr Bft. reichen allerdings die
mitgelieferten 40-Kilogramm-Leinen leider nicht mehr aus, denn der Zug nimmt enorm zu. Um ein Reißen der Leinen zu vermeiden, haben wir fortan 100-
Kilogramm-Leinen verwendet und dazu Powergrips angebuchtet, da ungepolsterte Schlaufen in diesem Fall zu sehr in die Hände schneiden.

Bei 4 Bft. ist die mögliche Belastbarkeit des Leitdrachens erreicht. Dennoch muss dann noch lange nicht Schluss sein mit dem Limbo-Spaß. Will man das Gespann bei höheren Windgeschwindigkeiten fliegen, sollte man die untere Querspreize durch einen 6-Millimeter-Carbonstab
er­­set­zen. Mit etwas Kraft geht auch der 6-Millimeter- in den vorhandenen 5-Millimeter-Verbinder hinein. Denn mit einem steiferen Kiel kann man das Gespann an den Knotenleitern der Tampen am Kreuz für mehr Wind trimmen. Dazu müssen lediglich bei den Tampen am Leitdrachen alle Koppel­leinen bis auf die am Kreuz einen Knoten länger gesetzt werden.

Grundkurs bestanden

Wir und vor allem die für den Test hinzugezogenen Einsteiger hatten mit den Limbos ihren Spaß. Beschwerden gab es keine. Über ein Ready-to-Fly-Einsteiger-Set für unter 30,– Euro in dieser Ver­arbeitungsqualität kann man absolut nicht meckern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend. Das besonders gute Flugverhalten des Drei­erge­spanns überrascht sogar gestandene Drachenflieger.

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