Mattenkampf – Speed-Matte Lycos 2.5 Competition
von Redaktion • 14.6.2011 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellenDie Speedkites in den Wettbewerben werden immer experimenteller, und nachdem Christoph Fokken bereits mit der Serien-Lycos sehr schnell unterwegs war, brach seine -neueste Version der Speed-Matte wiederholt die 150-Stundenkilometer-Marke. Diese extrem gestreckte Version wird ¬allerdings laut Christoph nicht in Serie gehen – der Bau ist einfach zu aufwändig und im Verkauf würde der Kite damit fast unbezahlbar.


Baumaterial für die Lycos

Übertragung der Schablonenmaße

An den Lufteintrittsöffnungen wird Gaze eingesetzt, sodass man ebenfalls ein durchlaufendes Paneel hat

Die Profile werden mit den jeweiligen seitlichen Boden- und Deckenteilen vernäht

Fertig eingesetztes Profil nach dem Einnähen

Waagepunkte und Diagonalprofile werden vernäht

Eine weitere Kammer wartet darauf, geschlossen zu werden

In der Mitte werden jeweils zwei Waageschnüre pro Schlaufe angebracht
Exklusiv für alle Leser von Sport & Design Drachen gibt Christoph nun seine Wettbewerbsgeheimnisse preis und genehmigt die Veröffentlichung einer Bauanleitung für die Lycos 2.5 Competition (natürlich nur für private Zwecke). Dabei steht die 2.5 für 2,50 Meter Spannweite, was allerdings bei der hohen Streckung keine außerordentlich große Fläche bedeutet, denn im Speed-Wettbewerb ist eines wichtig: den ¬Drachen im Stand zu halten und ja nicht mitzurutschen!
Dieses Modell ist wohl die derzeit einzige derart radikale Konstruktion, wobei die Matte gegenüber den meisten bei den Contests geflogenen Stabdrachen ein echt harmloses Flugverhalten aufweist. Bei gleichmäßigem Wind lässt sie sich gut in der Strömung halten und dreht sogar überaus enge Loopings. Lässt man die Competition-Lycos nicht mit Vollgas auf den Windfensterrand treffen, so steht sie dort überraschend stabil.
Voraussetzungen
Eine Warnung gab Christoph mir mit auf den Weg: Der Bau der Lycos 2.5 Competition ist nur etwas für erfahrene Hände. Und tatsächlich hat er hier absolut recht, denn der Aufwand – von Gaze bis hin zu Diagonalprofilen – ist so hoch wie sonst bei Buggyhochleistern. Zusätzlich ist das Profil extrem flach und die Profiltiefe sehr kurz, was den Bau zu einer anspruchsvollen Geduldsübung macht. Geduld braucht man aber auch schon beim Zuschnitt, und damit wären wir beim ersten Punkt der Anleitung.
Zuschnitt
Die Schablonen für die Wettbewerbs-Lycos müssen so präzise sein, dass eine Vergrößerung per Hand hier sicherlich ausscheidet. Daher gibt es wieder die Download-Datei auf der Website und in diesem Falle sogar einen besonderen Service: einen Schablonen-Plot direkt vom Konstrukteur! Als Tuch eignet sich besonders dichtes und dehnungsarmes Icarex beziehungsweise Ventex besonders gut, welches auch bei den Wettkampfmodellen eingesetzt wird. Dagegen dürfen die Profile aus belastbarerem Spinnaker bestehen, denn wenn der Kite doch unvorhergesehen auf den Boden stürzt, soll er nicht sofort in Fetzen gehen. Wir entscheiden uns beim Bau auch außen für ein Spinnakertuch vom Typ Chikara, da sich dieses in der Praxis gut ausformen lässt und eine aufgetrennte Naht nicht gleich eine dramatisch schwächende Perforation ergibt. Je nach Materialmix und Farbgestaltung sollte man 3 bis 4 Quadratmeter Tuch bereithalten. Dazu kommen etwas Gaze für die Lufteintrittsöffnungen und Nahtband für die Waageschlaufen. Es ist vorgesehen, die Profile im vorderen Bereich mit Dacron zu verstärken, was nicht unbedingt gemacht werden muss. Wir haben aber sogar zusätzlich die Luftausgleichslöcher verstärkt, da wir nicht riskieren wollten, später zur Reparatur in die Kammern hinein zu müssen. Als Waage wird Dyneema verwendet und zu Schlaufen geknotet, wobei an der Primärwaage (direkt an den Waageschlaufen am Kite eingeschlauft) 30 Dekanewton Bruchlast reichen sollten, die Sekundärleinen (welche zum Schnuranknüpftampen führen) aber schon aus 50er-Dyneema bestehen sollten.
Nähschema
Bei der Matte ist es von entscheidender Bedeutung, dass Ihr Euch ein Nähschema für die Arbeitsschritte an der Nähmaschine macht und alle Schritte vorher genau durchspielt und versteht. So beginnen wir mit dem rechten Flügelende und arbeiten uns bis zum anderen Ende komplett durch. Beim Vernähen der Profilunterseiten liegt der fertige Teil des Kites daher immer nach links von der Maschine weg. Wichtig ist ebenso, dass beim Übertragen der Teile alle Markierungen übernommen werden. Spitze Pfeile stehen für Waagepunkte, gerade Markierungen für Stoffkanten wie bei den Diagonalprofilen und kleine Kreuze dienen nur zur Orientierung, um eine korrekte Positionierung zu gewährleisten. An dieser Stelle möchte ich auch empfehlen, lieber auf helle Stofffarben zurückzugreifen. Unsere Flügelspitzen und Diagos aus schwarzem Tuch erlaubten kein Durchschauen, sodass vom Zuschnitt bis zur Positionierung viel größere Probleme auf uns zukamen.
Zuerst werden die Segelteile von Boden und Decke an der Nase zusammengesetzt und dort, wo Lufteintrittsöffnungen aus Gaze hingehören, werden diese ebenfalls eingesetzt. Dann haben wir immer zuerst von der Nase aus die Segelunterseite vernäht. Dabei werden die Bodenpaneele mit den außen liegenden Seiten aufeinandergelegt und etwaige Waageschlaufen dazwischen geschoben, sodass die geschlossene Seite zwischen den Tüchern liegt. Nun werden bei Profilen mit Waagepunkten zuerst das ¬Diagonalprofil, welches zum fertigen Matten¬teil führt, dann das eigentliche Profil¬ und am Ende das Diagonalprofil zum folgenden Profil aufgelegt und vernäht. Die Decken werden danach ebenso mit dem Profil vernäht, wobei auch hier auf die Diagonalprofile zu achten ist, die an jedem zweiten Profil (im Wechsel mit den Bodenteilen mit den Waagepunkten) einzusetzen sind. Dieses Schema mit all den verschiedenen Teilen, die zur richtigen Zeit an der korrekten Position einzusetzen sind, erfordert beim Bau die volle Aufmerksamkeit. Dazu darf sich nichts verschieben, wobei sich die engen Nasenkrümmungen als besonders schwierig erwiesen.
Das Letzte
Bei Matten muss am Ende immer der gesamte Kite in der letzten zu schließenden Kammer untergebracht werden. Diese wird dann auf links geschlossen und durch die noch offene Endkante auf rechts gedreht. Apropos Endkante: Als Schleppkante wird ein geschlossener Saum gefertigt, womit die gesamte Kappe geschlossen ist. Auf den Aufwand eines Dirt-Out-Systems haben wir bei diesem Spezialflieger verzichtet.
Waage
Nachdem die Kappe mit allen Waagepunkten fertig ist, werden nach der Skizze die Waageschnüre möglichst exakt gefertigt. Entweder kann man sie dann direkt am Kite einschlaufen oder an einer markierten Pappe feinsäuberlich sortieren.
Flugaufgabe
Ja, und nun sollte die Renn-Lycos fertig sein. Zum Einfliegen ist ein möglichst gleichmäßiger Wind von 2 bis 3 Beaufort ideal. Auf keinen Fall sollte man die Waage sofort voll belasten, denn die Schlaufen müssen sich erst einmal richtig setzen. Auch sollte vor dem Start immer sorgfältig auf den richtigen Verlauf der Waageschnüre geachtet werden. Hat sich etwas verhängt, so kann das überraschend schnell zum Riss des dünnen Dyneemas führen.




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den bauplan finde ich ja richtig klasse! bekommt man von euch das PDF nicht in A4 gesplittet, sprich im ganzen? das wäre echt genial?
Liebe Doreen.
Leider haben wir den Bauplan nur in dieser Form vorliegen. Da die meisten Leute nur über einen normalen A4-Drucker verfügen, wurde das von vornherein so angelegt. Du müsstest die Teile also selbst zusammenführen. Viel Spaß beim Bauen des Kites.
Dein Sport & Design Drachen-Team