Gute Geister – Sigma-Spirit-Serie von Elliot
von Redaktion • 21.7.2008 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellenNew York, Rio, Tokio? Die Neuauflage der Sigma Spirit wird von Elliot als idealer Reisedrachen be-worben. Leider war es mir nicht möglich, die aktu-ellen Sigmas an einem der oben genannten Orte
zu fliegen, aber auch andernorts kann man sich
den Zweileiner-Matten hingeben. Da ich schon in der Frühzeit meiner Drachenfliegerleidenschaft Kontakt zu einer Sigma 360 hatte, war ich natürlich umso mehr auf die neuesten Modelle gespannt.


Die 1.5 lädt zum Spielen ein. Da sie jederzeit gut beherrschbar bleibt, wird sie auch jüngeren Piloten viel Vergnügen bereiten

Die Spirit 2.0 ist der Allrounder der Spirit-Serie und für Einsteiger ideal, bleibt aber gerade bei stärkeren Winden auch für erfahrenere Piloten interessant

Besonders bei Sonnenschein kann eine weiße Rückseite für Zuschauer viel Schönes haben, wie die Sigma Spirit 2.5 beweist

Die Spirit 3.0 wird von der Waage in vier Ebenen sauber in Form gehalten

Gut zu erkennen sind die geschlossenen äußeren Kammern, die durch Aus-gleichsöffnungen in den Profilen befüllt werden

Die Übergänge im Design sind nähtechnisch sehr schön umgesetzt

Die Klettbandlasche für die Anknüpftam-pen kann auf der Wiese viel Zeit sparen, da sie ein Verwirren der Waage vermeidet

Jede Sigma Spirit wird gut ausgestattet geliefert, dem sofortigen Flugvergnügen steht nichts im Wege

Gut zu erkennen sind die beiden geschlossenen äußeren Kammern auf jeder Seite, die durch je zwei in die Profile geschnittene Ausgleichs-öffnungen mit Luft gefüllt werden

Die Flugschnüre sind präzise abgelängt und ummantelt. Die beiliegenden Flugschlaufen aus Gurtband sind jedoch leider recht fest und bei stärkerem Zug vergleichsweise unbequem

Die Waage ist aus hochwertiger ummantelter Schnur geknüpft, Dehnung wird hier kein Problem werden

Das dynamische Duo am Himmel. Gerade die beiden kleinen Spirits überzeugen durch ausgewogene Flugeigenschaften, großen Windbereich und kleines Packmaß
M ir standen vier Größen zur Verfügung. Angefangen bei der kleinsten, der 1.5er, bis hin zur 3.0-Variante, die schon ein ganz ansehnliches Format vorweist. Dabei stehen die Zahlen für die ungefähre Spannweite in Meter. Alle Größen werden in einer zwar recht einfachen, dafür aber robusten und zweckmäßigen Tasche geliefert, die mit einem Reißverschluss zu schließen ist. Zudem sind die Taschen großzügig dimensioniert, sodass neben dem RTF-Set auch noch andere Utensilien wie beispielsweise weitere Flugschnüre und Sonnencreme ihren Platz finden können.
Alles an Bord
Alle Spirits werden ready to fly ausgeliefert, ein passendes Schnurset auf stabilem Winder liegt ebenso bei wie robuste und breite Gurtschlaufen. Mit an Bord ist eine ausführliche und farbig bebilderte Anleitung, die über Sicherheitsregeln, Aufbau und Anleinen bis hin zum Flug selbst keine Fragen offen lässt. Doch nun zu den eigentlichen Hauptdarstellern, den Drachen. Also schnell ausgepackt und alle aus der Nähe betrachtet. Das angenehme Design findet sich bei allen Größen und man kann jeweils zwischen einer roten, blauen oder gelben Farbvariante wählen. Sofort fällt ein nützliches Detail auf. An einem Profil der mittleren Kammer befindet sich ein kleiner Klettverschlussstreifen, mit dem man vor dem Einpacken die Anknüpf-tampen der Waage fixieren kann, sodass ein Verwirren wirkungsvoll vermieden wird. Die Waage ist sauber aus robuster ummantelter Waageschnur geknotet, die am Drachen selbst an eingenähten Schlaufen befestigt ist. Mit zwei Ausgleichsöffnungen versehen sind die Profile mit den Paneelen des Bodens und der Decke vernäht. Die zwei äußeren Kammern sind geschlossen gestaltet.
Dabei sind auch die Übergänge in dem gefälligen Design sauber ausgeführt. Die Rückseite ist komplett weiß, sodass die Farben schön leuchten können. Zusätzlich sind noch Schriftzüge, unter anderem mit Angabe der Größe, aufgedruckt. Dabei ist jedoch leider am 2.0er-Testmodell der schwarze Aufdruck, der an die Windrose erinnert, die Elliot als Firmensymbol führt, an einer Stelle etwas ausgefranst. Aber es ist der einzige und dabei noch rein optische Mangel, welcher bei der ansonsten rundum guten Verarbeitung aller Größen auftrat.
Feingeist
Doch nun zu den Flugeigenschaften. Und da betrachten wir jede Größe für sich, beginnend mit der kleinsten, sozusagen zum Warmfliegen. Die 1.5er wird mit einfachen 30-Meter-Schnüren von 50 Dekanewton Bruchlast ausgeliefert. Schon ab niedrigen 2 Bft. erhebt sie ihre 140 Zentimeter Spannweite in die Luft. Bei so wenig Wind mag die „Kleine“ jedoch mit zarter Hand geführt werden, da sie sonst zum Einklappen neigt. Sollte man auf der Wiese von einer kurzfristigen Flaute überrascht werden, so kann man mit der kleinsten Sigma-Variante so genannte 360er oder auch mal ein Up-and-Over fliegen, sofern man gut zu Fuß ist. Wohler fühlt sich die Matte aber bei Windstärken ab 3 Bft. Dann durchquert sie stabil und zügig das Windfenster, ohne viel Zug aufzubauen. Angenehm kleine Lenkbefehle reichen aus, um sie sicher und präzise zu dirigieren, aber auch bei einem etwas schnelleren und deutlicheren Lenk-manöver fällt sie nicht vom Himmel.
Nimmt der Wind dann zu, zeigt sie ihr Potenzial als schnelle und sehr wendige Matte. Enge Spins führt sie nahezu ohne Höhenverlust aus. Jedoch kommt man dann schnell an die Grenze der beigelegten Schnur. Wenn man mehrere Spins in eine Richtung geflogen hat, merkt man deutlich den Widerstand beim Lenken. Eine hochwertigere Schnur, die auch gerne etwas kürzer sein darf, entlockt dann das volle Potenzial, und unzähligen Spins steht nichts mehr im Wege. Geht es dann in die Richtung von sechs Windstärken, fordert sie aufgrund ihrer Geschwindigkeit volle Konzentration. Eine etwas stärkere Schnur ist dann ratsam, auch wenn der Zug nicht sehr kräftig wird. Für die geforderten 44,– Euro erhält man eine schöne und agile Matte, die auch in der kleinsten Tasche noch Platz findet und viel Flugspaß bietet.
Universell
Doch auf zur nächsten Größe. Die 2.0-Version wird an ihre 30 Meter langen und 70 Dekanewton starken Schnüre geknüpft und gestartet. Schnell füllt sie sich mit Luft und man hat sofort das Gefühl, eine gute Bekannte an den Leinen zu haben. Sie macht alles wie die 1.5er, nur eben etwas erwachsener, mit mehr Präsenz. Durch ihre 50 Zentimeter mehr an Spannweite wirkt sie beherrschbarer und gibt deutlichere Rückmeldung über das, was sie grade tut. Dieser Umstand kommt grade Einsteigern zugute. Ab 4 bis 5 Bft. merkt man dann auch deutlichen Zug an den Leinen, der jedoch nie zu stark wird oder zu ruppig einsetzt. Nur die beigelegten Handschlaufen aus festem Gurtband werden dann langsam unbequem und schnüren die Hände etwas ab, der Wechsel auf andere Fluggriffe schafft Linderung. Dann steht auch einem Mehr an Wind nichts im Wege. Fix wird das Windfenster durcheilt, schnelle Loopings und scharfe Kurven in den Himmel gezaubert. An kürzeren Schnüren von beispielswiese 25 Meter wird das Flugerlebnis dann noch einmal direkter und schneller. 75,– Euro kostet die universellste Matte der Spiritserie. Bei weniger Wind eindeutig einsteigertauglich, wird sie durch ihren großen Windbereich nie langweilig und bietet dabei alles, was das Fliegen mit Zweileiner-Matten ausmacht.
Richtig geraten, nun wird die Variante 2.5 ausgeführt. 35 Meter Schnüre mit 120 Dekanewton Bruchlast stellen den Kontakt zum Piloten her. Direkt nach dem Start merkt man, dass sich da 240 Zentimeter Spannweite im Wind bewegen. Der Zug an den Leinen wird deutlich spürbar, bleibt aber immer berechenbar. Aufgrund ihrer Größe ist sie natürlich etwas langsamer und behäbiger als ihre beiden kleineren Schwestern, ohne jedoch langweilig zu werden, denn sie ist trotzdem zügig unterwegs. Ist bei der 2.0 noch die Geschwindigkeit das Hauptmerkmal, so tritt bei der 2.5 die Kraft in den Vordergrund. Ab 5 Bft. ist mit erstem „Raumverlust“ zu rechnen. Auf dem Hosenboden sitzend, am besten geschützt durch ein Gesäßleder, lässt sich wunderbar die Kraft des Winds erfahren. Doch unterschätzen sollte man die Zugkräfte, die auftreten können, nie. Vor allem Einsteigern ist zu raten, sich langsam von unten an die Möglichkeiten heranzutasten, die diese Matte bietet. Benötigt man eine Pause vom Kampf mit dem Wind, lässt sich die 2.5 schön im Zenit oder am Windfensterrand parken. Die Flugschnur harmoniert bezüglich Qualität und Länge sehr gut mit der Spirit, aber auch hier sind für längerwährenden Spaß andere Flug-griffe zu empfehlen. Im Tausch gegen 120,– Euro erhält man einen kraftvollen Schirm mit einem weiten Windbereich.
Familienoberhaupt
Nun ist das Flaggschiff der Spirit-Serie am Start, die 3.0 mit 270 Zentimeter Spann-weite. 2 bis 3 Bft. herrschen vor, ideale Bedingungen, um sich mit einem Kite dieser Größe vertraut zu machen. Zügig sind die 35 Meter 180-Dekanewton-Schnur vom Winder abgewickelt, Griffe angeschlauft – und los geht‘s. Der erste Eindruck bestätigt, was zu erwarten war: Da sitzt Kraft hinter. Eine positive Überraschung ist jedoch die Agilität, die bei Matten dieser Größenordnung nicht unbedingt zu erwarten ist. Klar merkt man ihr die Größe an, aber es ist kein träger Traktor. Sie lässt sich auch schon bei erstaunlich wenig Wind in der Luft halten, bedarf dabei jedoch auch wieder eines gefühlvollen Pi- loten. Aber gemacht ist die 3.0 zum Powern, und das kann sie gut. Schon ab 2 bis 3 Bft. spürt man satten Zug an den Leinen. Erreicht der Wind dann 4 Bft, sollte man sich auf Rutschpartien einstellen, wenn man das Windfenster durchquert. Der Druckauf-bau ist berechenbar, aber spätestens jetzt sollte der Drachenbän-diger Respekt und Vorsicht walten lassen.
Auch auf dem Weg in den Zenit ist Kraft genug vorhanden. Möchte man den Drachen dort zum Ausruhen oder zum Zurücklaufen parken, sollte man immer ein Auge auf ihn werfen. Der Zug bleibt dort grade bei stärkerem Wind noch recht beachtlich. In Böen schießt die Matte gerne etwas vor, um dann nachher zurückzupendeln oder im ungünstigsten Fall etwas zusammenzuklappen. Aber trotzdem bleibt die 3.0 eine berechenbare Powermatte, wobei man aber zum austesten des oberen Windbereichs schon einiges an Erfahrung mitbringen sollte. Zwar muss man mit 170,– Euro etwas tiefer in die Tasche greifen, aber es ist eine Investition auf Dauer. Denn man wird lange Spaß an dieser Powermatte an zwei Leinen haben, die auch gerne mal an längeren Schnüren ausgeführt wird.
Fernweh
Die Firma Elliot hat mit der Neuauflage der Spirit eine in sich konsistente Reihe präsentiert, die Familienzugehörigkeit wird nicht nur durch das Design klar deutlich. Allen Modellen sind der präzise Flug und das für die jeweilige Größe zügige Flugtempo zu Eigen. Das gewisse Etwas an Charakter der einzelnen Schirme kommt dann durch die Größen-abstufungen zu Stande. Auf welche Variante die Wahl auch fällt, in jedem Fall erhält man einen robusten Schirm mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, der aufgrund des gut ausgestatteten Flugsets sofort startklar ist. Fliegt man die wegen ihres geringen Packmaßes ideal als Reisedrachen geeigneten Matten häufiger, so empfiehlt sich aber bei den kleinen Größen die zusätzliche Anschaffung einer hochwertigen Schnur, um das Optimum an Flugspaß herauszuholen. Bei der 2.5 und der 3.0 erhöhen bequemere Griffe den Komfort, gerade in höheren Windbereichen sind die großen Sigmas dann angenehmer und sicherer zu fliegen. Schlussendlich bleibt nur zu sagen, dass die Spirit-Serie genau die Eigenschaften aufweist, die mich schon in meinen Anfangszeiten als Drachen-pilot am Fliegen von Zweileiner-Matten faszinierten. Und vielleicht fliege ich sie ja auch mal irgendwann in Rio de Janeiro.
Text: Mathias Cornelißen
Fotos: Vanessa Herf, Mathias Cornelißen
| BEZUG |
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Elliot
Pastor-Wolf-Straße 77 Bezug: Fachhandel |
| PRO & CONTRA |
| + Großer Windbereich + Präzise zu steuern + Ausführliche Anleitung + Geringes Packmaß |




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