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Geschwindigkeitswahn – Symphony Speed 3.2 von Invento

von Redaktion • 9.7.2010 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellen

Mit der Symphony Speed 2.0 und 2.5 (siehe KITE & friends 02/2009) hat Invento bereits zwei heiße Eisen im Feuer, denen schon so einige Kiter mit einem Hang zu schnellen Schirmen verfallen sind. Dieses Speed-Duo wird nun durch eine neue Variante zum Trio, der neue Stoff fällt dabei etwas härter oder besser größer aus. Welches Suchtpotenzial die Symphony Speed 3.2 mitbringt und welche Nebenwirkungen zu befürchten sind, zeigt dieser Selbstversuch.


Die Rückseite ist im schlichten Weiß gehalten, was ihrer Wirkung aber keinen Abbruch tut

Von der Verarbeitungsseite gibt es nichts zu bemängeln, auch die Übergänge im Design sind passgenau ausgeführt

Vernähte Waage, Diagonalprofile, hervorragende Verarbeitung – Details, wie man sie auch bei hochwertigen Tractionkites findet

An langen Leinen bereitet es viel Vergnügen, lange Geraden durch das Windfenster zu fliegen

Eine große Hilfe ist der kleine Klettverschlussstreifen an der mittleren Kammerwand zum Verstauen der Anknüpftampen

Vernähte Augen der Waage und die Verwendung von angepassten Waagestärken zeigen, dass auch hier kein Aufwand gescheut wurde

Mit der Symphony Speed lässt man gerne mal den Flugtag ausklingen

Freunden von Zweileiner-Matten, schnellen und auch gerne zugkräftigeren Kites passt die neue Symphony Speed 3.2 genau ins Beute­schema. Das Familienoberhaupt der Symphony Speed-Serie wird in einer länglich-ovalen Tasche mit farbig eloxiertem Karabiner geliefert. Auch wenn man am liebsten direkt auf die Wiese möchte, ist erst mal Zurückhaltung angesagt. Vor dem Flugvergnügen steht die Inspektion des Schirms. Zusammen mit einer ausführlichen Anleitung zu den Grundlagen des Drachenfliegens sowie dem RTF-Set inklusive gepolsterter Schlaufen liegt die Symphony Speed nun ausgebreitet vor. Sofort fällt die familientypisch große Streckung auf, ein sicheres Indiz für die Auslegung auf Ge­­schwindigkeit. Die Anknüpftampen sind in einer Pappkarte befestigt, auf der die Anbringung der Flugleinen erläutert wird, sozusagen eine Kurzanleitung. Ein kleines aber feines Detail.

Bestandsaufnahme
Bei der Verarbeitung des aus 22 Zellen bestehenden Schirms wurden keine
halben Sachen gemacht. Die Profile
sind mit einer vertrauenerweckenden Doppelnaht mit dem Untersegel verbunden. Dieses zeigt auch im Design die Verwandt­schaft zu den kleineren Varian­ten, nur dass statt Grün oder Rot hier ein kräftiges Orange dem Auge schmeichelt, was in der Luft durch eine komplett weiße Oberseite unterstützt wird. Die Lufteintritte sind an allen Paneelen mit eingelegtem Gurtband verstärkt. Am mittleren Profilpaneel findet man eine kleine Klettbandschlaufe zur Befestigung der An­­knüpftampen.

Die vernähte Waage hat durch einge­nähte Gurt­band­schlaufen Kon­­takt zum Schirm. Es kommt ausnahmslos hochwertige ummantelte Dyneema-Waage­schnur zur Verwendung, wobei mit
verschiedenen Bruchlasten gearbeitet wurde, um unnötigen Luftwiderstand zu vermeiden. Zu diesem Zweck hat man auch Diagonalprofile in den Kammern eingesetzt, um eine saubere Ausformung der Kappe zu ermöglichen, ohne jedes Profil durch die Waage abzufangen. Seitens der Verarbeitung und Material­wahl sind, wie nicht anders zu erwarten, keine Kopfschmerzen zu befürchten.

Gut dosiert
Grau ist alle Theorie, und daher geht’s an die frische Luft. Einer der vielen positiven Aspekte der Kitesucht. 2 bis 5 Bft. – das entspricht einer Bandbreite an Wind­geschwindigkeiten von 6 bis 38 Stunden­kilometer – werden von Invento als Windbereich für die Symphony Speed 3.2 angegeben. Und so ist man mit 3 Bft. für den Jungfernflug gut bedient; die erste Dosis Flugvergnügen kann erfolgen.

Durch einen beherzten Ruck an den 25 Meter langen Flugleinen aus Dyneema mit 175 Deka­newton Bruchlast lässt sich der Schirm problemlos starten und auch die geschlossen ausgeführten Kammern füllen sich durch die Löcher in den Profil­paneelen schnell. Im oberen Bereich des Windfensters werden die ersten Flug­bewegungen durchgeführt, sozusagen ein erstes Abtasten. Viel Zeit braucht es nicht, um ruhigen Gewissens das übrige Windfenster zu erkunden. Schnell fällt das satte Feedback auf, das die Speed 3.2 liefert, sobald die Strömung anliegt und man den Schirm laufen lässt. Wenn man schon den Namenszusatz Speed trägt, möchte man halt auch in Bewegung gehalten werden. Und diesem Wunsch kommt man nur zu gerne nach, wird man doch mit sattem Zug und einer für die Größe recht hohen Fluggeschwindigkeit belohnt. Dabei kommt aber auch die Wendigkeit nicht zu kurz, willig folgt der Flügel den Lenkimpulsen. Bedingt durch die Spannweite von ausgelegt 320 Zentimeter dürfen die notwendigen Lenkbewegungen natürlich etwas größer ausfallen. Kurven werden druckvoll durcheilt, enge Spins dreht der Kite um einen Punkt etwas außerhalb der Flügelspitze. Und das ohne großen Höhenverlust.

Großes Suchtpotenzial
Am Windfensterrand zeigt sich allerdings ein kleines Manko der Matte. Hält man sie dort ruhiger und will anschließend den Flug durch eine Kurve nach unten hin fortsetzen, kann es aufgrund fehlender Anströmung passieren, dass den Lenk­befehlen nicht ausreichend gefolgt wird. Der Kurvenradius fällt dementsprechend groß aus und es kann zum Absturz kommen. Fliegt man das gleiche Manöver aber aus der Bewegung des Schirms heraus, wird also der Rand des Windfensters angeflogen und direkt in die Kurve abwärts gezogen, läuft alles wie geschmiert. Weiß man um diesen Umstand, kann man sich darauf einstellen und nach einer Pause am Windfensterrand den Flug durch eine Aufwärtskurve fortsetzen.

Bei wenig Wind freut sich der Flügel über etwas dünnere Schnüre als die beiliegenden, die doch eher für den oberen Windbereich ausgelegt sind. Bedingt durch die hohe Streckung bedarf es aber zudem etwas Feingefühl an den Leinen, um die Symphony Speed 3.2 in der Luft zu halten. Denn sie möchte am Laufen gehalten werden. Durch leichtes Ein­klappen der Wingtips zeigt der Kite deutlich an, wenn zu wenig Wind vorherrscht oder die Lenkimpulse zu stark sind. Dieses Einklappen ist aber leicht abzufangen und führt in den seltensten Fällen zum Absturz. Sicherlich ist das Fliegen am unteren Windlimit nicht unbedingt unter „artgerechter Haltung“ zu führen, aber man sollte den entspannenden Aspekt nicht unterschätzen, ebenso wenig den Lerneffekt. Denn gerade beim Fliegen bei schwachem Wind entwickelt man viel Gefühl für den Kite.

Spaß mit Nebenwirkungen
Tastet man sich hingegen an die oberen Windbereiche des Kites heran, so braucht man sich um das Einklappen keine Gedanken mehr zu machen. Auch die präzise abgelängte Schnur des RTF-Sets harmoniert nun gut mit der Symphony Speed 3.2. Mit 25 Meter Länge unterstützt sie die Agilität und das direkte Ansprechen auf die Lenkbefehle, sodass man sich zu keiner Zeit darüber im Unklaren ist, in welchem Flugzustand sich der Schirm grade befindet. Aber auch an längeren Leinen funktioniert er bei ausreichend Wind gut. Ein langer Groundpass an 45-Meter-Schnüren baut wunderschön gleichmäßigen Druck auf. Ab 4 Bft darf man sich auch schon ein wenig mehr in die gepolsterten Handschlaufen hängen – leichtgewichtige Piloten können in solchen Fällen mit erstem Verlust der Bodenständigkeit rechnen. Die Kombi­nation aus Druck und Geschwindigkeit macht süchtig, Glücks­hormone werden ausgeschüttet und ganz nebenbei gönnt man seinem Körper noch ein ordentliches Work-Out.

Als oberes Windlimit sind 5 Bft. angeführt Um dieses auszunutzen, sollte
schon Erfahrung vorhanden sein. Denn bei solchen Geschwindigkeiten ist die Speed 3.2 mit Respekt zu behandeln. Wo ihre beiden kleineren Geschwister im Zug beherrschbar bleiben und „nur“ die Geschwindigkeit beeindruckend wird, langt die 3.2 kräftig zu. Die Dimen­sionierung der beiliegenden Flugschnur wird damit voll und ganz gerechtfertigt. Ist man sich dessen bewusst, erhält man gerade an längeren Leinen ein berechenbares „Fortbewe­gungsmittel“ mit satter Fluggeschwin­digkeit. Erfolgt dann noch ein Wechsel von Handschlaufen auf Powergrips, steht auch einem längeren Training nichts mehr im Wege. Aber immer an die Nebenwirkungen denken, die Strecke, die man durch den Kite abgeschleppt wird, muss man auch wieder gegen den Wind zurücklaufen. Aber diese Anstrengung nimmt man gerne auf sich, kann man sich danach doch wieder gepflegt mitschleifen lassen.

Geheilt
Am Ende des Flugtags fällt beim Einpacken des Kites dann doch noch ein kleiner Kritikpunkt auf. Die Tasche ist leider etwas knapp bemessen, sodass sich der Kite inklusive Schlaufen und Leinen nur mit sanfter Gewalt wieder in das ovale Behältnis zwängen lassen. Eine etwas größere oder anders geformte Tasche wäre für diesen gelungenen Schirm ein angemesseneres Zuhause.

Invento ist mit der Symphony Speed 3.2 ein zugkräftiger und schneller Schirm mit Manieren gelungen. Im Tausch gegen 159,98 Euro erhält man im Fachhandel diesen Flügel. Auf den ersten Blick ist das natürlich viel Geld, berücksichtigt man aber die aufwändige Bauart, den Umfang des RTF-Sets und die Flugleistungen, so relativiert sich der Preis schnell wieder. Zudem wird man lange Freude an diesem Schirm haben, und das nahezu nebenwirkungsfrei.

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