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Doppelt rollt besser – Dopero von Didakites

von Redaktion • 13.1.2009 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellen

Denkt man an Drachen, die eine hohe Zugkraft auf die Leine ausüben und Lasten in die Luft befördern können, so wandern die Gedanken schnell in Richtung von Parafoils und anderen stablosen Konstruktionen. Der PL-Lifter oder die Flowform von Sutton sind solche Zugochsen. Daneben gibt es aber auch Lifterdrachen, die mit Stäben bestückt sind. Unsere Vorfahren um Cody und Hargrave machten den Anfang und auch in der neuen Zeit kamen immer wieder zugstarke Drachen mit Stäben auf den Markt. Um einen Vertreter dieser Gattung soll es an dieser Stelle gehen.


Die Waageaufhängung wird um den Längsstab herumgeführt


Aufhängung der Spreizstäbe an den Außenseiten


Der Querstab ist dreifach gemufft, das Packmaß des Riesen hält sich so in Grenzen


Ordentlich gemacht: Waageaufhängung am Kiel


Beim Kiel handelt es sich um eine so genannte Open-Vertical-Keel-Konstruktion


Vorgestellt in unserem Partnermagazin KITE & friends: der einfache Pearson-Roller


Der Meister himself: Ralf Beutnagel, Erfinder des Doperos


Berechnet für die Ewigkeit: Karabiner für die Spannschnur


Sauber gelöst: die Aufhängung am unteren Segel


Die Längsstäbe werden in Taschen geführt, die aus dem Segel gebildet worden sind

Ein Dopero in seinem Element: Zum Trans­port eines Kamera-Riggs für Luftbildauf­nahmen wurde er schließlich entwickelt

Mit seinen Abmessungen von 372 x 245 Zentimeter ist der Didak-Dopero eine wahrlich imposante Erscheinung

Die Rede ist vom Dopero, dem neuen Drachen aus der Einlei­ner-Kollektion des belgischen Herstellers Didakites. So ganz neu ist der Drachen dabei nicht, kann er doch auf einen recht ordentlichen Stammbaum zurückblicken. Tauchen wir also ein in ein Stück europäische Drachenbauhistorie und fliegen nach England, genauer gesagt nach London an den Round Pond in Kensington Gardens. Aus dem Roloplan heraus entwickelte John Shaw den Roller, wobei seine Verwandtschaft zu dem
deutschen Vorläufer eher zufällig begründet ist. Roller war für die Engländer einfach die Bezeichnung von Nachbauten des Roloplans, ohne dass dabei großartig auf die Exaktheit der Kopie geachtet wurde. Die Größe bestimmte sich aus dem vorhandenen Stoff, während sich der Bauaufwand aus der verbleibenden Zeit bis zum nächsten Flugtag im Round Pond errechnete. Je näher dieser war, je schneller wurde ein Roller gestrickt. Heraus kam dabei die noch heute bekannte Form des Rollers. Später dann nahm sich Alexander „Alick“ Pearson des Rollers von Shaw an, verbesserte ihn und entwickelte ihn weiter. Heraus kam der Pearson-Roller in der Form, wie wir ihn auch heute noch kennen und dessen Bauplan wir in Ausgabe 4/2007 unseres Schwestermagazins
KITE & friends vorgestellt haben.

Innovation
Machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 1994. Wir befinden uns in der Werkstatt von Ralf Beutnagel, einem der versiertesten Luftbildfotografen, den die Republik kennt. Ralf hatte exakt das Problem, das eingangs beschrieben wurde. Er wollte gerne Lasten, im konkreten Fall seine Luftbildanlage, in den Himmel befördern. Und zwar so, dass diese auch wieder unbeschädigt auf den Boden zurückkommt. Gebraucht wurde also ein möglichst gutmütiger Drachen, der über eine gewisse Zugkraft verfügt und nicht gleich bei der ersten Windböe zusammen­­­­­­­­­­klappt. Ralf schaute sich auf dem Markt der Drachen um und fand im Pearson-Roller schon einmal einen recht stabil fliegenden Drachen. Alleine die Zugkraft war noch nicht so recht nach dem Geschmack des Braunschweigers und so kam er irgendwann auf die zündende Idee: Man könne ja einfach zwei Pearson-Roller nehmen und diese zu einem Drachen zusammenfügen. Der DOppel-PEarson-ROller, oder auch kurz Dopero, war geboren. Bereits im August 1994 hatte ein 3 x 2 Meter messender Dopero seinen Jung­fernflug. Doch es ging noch weiter. Ralf wünschte sich eine nochmals erhöhte Zugkraft und einen noch stabileren Flug. Also vergrößerte er den ursprünglichen Dopero auf 3,65 x 2,5 Meter und spendierte dem Drachen eine Open-Keel-Variante (OVK). Der Maxi-Dopero war geboren und erfreute fortan insbesondere die Gemeinde der Luftbildfotografen.

Machen wir einen letzten Sprung. Wir bleiben in Europa, befinden uns jetzt aber ein klein wenig außerhalb des belgischen Badeorts Oostende. Hier finden wir in malerischer Lage die Firma Didakites, die mit ihrem Oostende Bird Drachengeschichte schrieb. Neu im Portfolio der Drachenmanufaktur ist just besagter Dopero. Dieser weist eine Spannweite von 372 bei einer Höhe von 245 Zentimeter auf. Von der Größe her ist er damit am ehesten mit dem Beutnagelschen Maxi-Dopero zu vergleichen. Weitere Gemeinsamkeiten bestehen – bis auf Name, Aussehen und ein paar andere Kleinigkeiten – nicht. Was aber auch nicht weiter verwundert, da der Schöpfer des Doperos bei der Entwick­lung der Didakites-Version nicht involviert war.

Der belgische Dopero kommt in zwei Varianten in den Handel. Zum einen in einer Mischung aus Lila und Gelb, zum anderen gibt es den auf diesen Seiten gezeigten Dopero in Rot und Orange. Geliefert wird der Drachen in einem weißen Transportsack aus Spinnaker, auf dem in schwarzer Schrift Dopero und das Logo des Herstellers aufgedruckt wurden. Bemerkenswert ist, dass die Tasche gerade einmal 150 Zentimeter misst. Bei einem Drachen mit einer Standhöhe von knapp 250 Zentimeter ist das kein schlechter Wert. Bei näherer Betrachtung der Tasche fällt auf, dass diese am unteren Ende umgeklappt und das Reststück mittels Klettband wieder an selbiger befestigt wurde. Das Geheimnis des Klettbands lüftet sich beim Auspacken des Drachens: die beiden Längsstäbe im Kiel sind gemufft, wodurch der Drachen zu dem geringen Packmaß gelangt. Werden diese Längsstäbe zusammengesteckt, spannt sich der Drachen zu seiner vollen Größe auf. Um dann noch in die Tasche zu passen, benötigt diese ein paar Zentimeter mehr und just diese werden gewonnen, wenn das Klettband gelöst wird. Dann nämlich faltet sich der Transportsack zu einer stolzen Tasche von 260 Zentimeter auf. Ein, wie wir meinen, tolles Gimmick von Didak, denn so muss man den Drachen nicht immer bis in das letzte Detail auseinandernehmen.

Für die Ewigkeit
Als Stangenmaterial kam übrigens 10-Millimeter-Kohlefaser zum Einsatz, das zudem inwendig mit 8-Millimeter-Stäben gemufft wurde. Apropos Muffen: Die beiden Flügelstäbe des Drachens sind dreigeteilt, sodass auch hier Rücksicht auf ein geringes Packmaß genommen wurde. Als Segelmaterial wurde Spinnaker mit ordentlicher Grammatur verwendet, wobei sich der Stoff subjektiv recht weich anfühlt. Das gesamte Segel wurde mit Saumband versehen und alle wichtigen Stellen mit Dacron verstärkt. Die Längsstäbe verlaufen in Taschen, die aus dem Segelmaterial gebildet wurden, während die Spreizstäbe mit Hilfe von Dacrontaschen in Position gehalten werden. Insgesamt macht die Verarbeitung einen recht ordentlichen Eindruck, die Nähte sind sauber ausgeführt, Kett und Schuss wurden beachtet und sämtliche Details in einer gefälligen, haltbaren Variante ausgeführt. Apropos haltbar: Für die Ewigkeit konzipiert sind wohl die Waage sowie die Karabiner, welche die Spannschnur für das Bauschen des Drachens aufnehmen. Didak empfiehlt für den Dopero eine Flugleine von 90 Kilogramm Bruchlast, verwendet jedoch eine Waageschnur, die ein Vielfaches dieser Bruchlast aufweist. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Dennoch, von der Verarbeitungsseite her gibt es beim Didak-Dopero nichts auszusetzen.

Ob der Dopero auch in der Luft hält, was die Vorfreude am Boden verspricht, wird der Gang auf die Drachenwiese zeigen. Hier angekommen, ist der Drachen relativ schnell aufgebaut. Wurde er bereits in der Langversion in der Drachentasche verstaut, kann er gleich ausgebreitet werden. In der Kurzversion werden zunächst die Kielstäbe zusammengesteckt und die Stabtasche mittels Klettband verschlossen. Beim Ausbreiten des Drachens ist es hilfreich, wenn eine zweite Person zur Stelle ist, denn mit seinen beachtlichen Abmessungen ist der Dopero alles andere als ein kleiner Drachen. Sind die beiden Längsstäbe in Position gebracht, werden die beiden Querspreizen zusammengesteckt und in die Taschen auf der Leeseite des Segels eingesteckt. Anschließend wird das Segel mit Gummilaschen, die am Segelende befestigt sind, auf Spannung gebracht. Jetzt noch die Spannschnur auf der Rückseite des Drachens befestigen und schon kann es losgehen.

Ursachenforschung
Seitens des Herstellers wird als optimaler Windbereich eine Geschwindigkeit von 0,5 bis 4,5 Meter pro Sekunde, also etwa 1 bis 3 Bft. angegeben. Da bei unserem ersten Startversuch der Windmesser gerade einmal 1,5 Meter pro Sekunde anzeigte, konnte es sofort losgehen. Leichtes Ziehen an der Drachenschnur, der Do­­pero reagierte sofort und nahm willig Höhe an. Leider jedoch nur bis zirka 10 Meter, dann knickte der rechte Flügel mit einem lauten Krachen nach hinten weg. Der Start wurde sofort abgebrochen, der Drachen gelandet und der Schaden begutachtet. Kurz hinter der Alumuffe hat es den oberen, mittleren 10-Milli­meter-Kohlefaserstab zerlegt. Erstaunlich, denn von der Windgeschwindigkeit her waren wir im Rahmen und auch die Dimen­sionierung des Stabs sollte für leichten Wind absolut ausreichend sein. Hatten wir also einfach nur einen schlechten Stab erwischt? Oder liegen wirklich Konstruktionsmängel vor? Zwei Dinge sind uns bei näherer Betrachtung ins Auge gefallen. Zum einen ist der 10-Millimeter-Stab innen nicht konsequent mit einem 8-Millimeter-Stab gemufft. Lediglich die ersten 10 Zenti­me­ter sind in doppelter Stärke aus­ge­­führt, auf der restlichen Strecke muss alleine die Wandung des 10-Millimeter-Stabs dem Druck stand­halten. Zum anderen hat Didak nur eine der beiden Alumuffen am Mittelstab befestigt, die Alumuffe der Gegenseite wurde an den Außenstab geklebt. Dies bedeutet, dass der Mittelstab, auf dem ein höherer Druck lastet, mit einem gewissen Spiel in der Muffe sitzt. Auffällig ist schlussendlich, dass unser Stabbruch just auf der Seite mit dem Spiel und kurz hinter dem Abschluss des Innenröhrchens aufgetreten ist.

Also erst einmal den Drachen zusammengepackt und ab in die heimische Werk­statt. Hier spendierten wir dem Dopero ein neues 10-Millimeter-Rohr und fütterten dieses gleich der gesamten Länge
nach mit einem 8-Millimeter-Stab auf. Und weil wir so schön dabei waren, bekam auch der untere Mittelstab auf gesamter Länge einen Innenstab spendiert. Zusätzlich wurden alle Alumuffen an den Mittelstab geklebt, sodass nun die Außenstäbe eingesetzt werden müssen. So gewappnet, ging es zum nächsten Startversuch auf die Wiese. Drachen aufgebaut, in den Wind gehalten, kurzes Ziehen an der Leine und der Drachen begann zu steigen. Banges Warten, ob ein leises Krachen den nächsten Schaden ankündigt. Aber nein, diesmal ging alles gut. Der Dopero glitt in den Himmel
und pendelte sich ruhig und souverän mit hohem Winkel ein. Hier stand er dann. Und stand. Und stand. Didaks Dopero macht seinem Ruf alle Ehren. Ein Zugdrachen par excellence, stabil in der Luft stehend und auch vor größeren Lasten nicht zurückschreckend.

Zum Abschluss die schon fast traditio­nelle Gretchenfrage: Was kostet denn nun der neue Drachen von Didakites? Nun, zu bedenken ist, dass der Drachen recht groß ist und 10-Millimeter-Kohlefaserrohre kosten schon im Ein­­kauf ein mittleres Vermögen. So gesehen ist der Preis von 498,– Euro nicht weiter
verwunderlich. Hierfür erhält man einen kräftigen Zugdrachen, der ordentlich Power auf die Leine bringt und stabil am Himmel steht. Und wer weiß – vielleicht bringt ja Didakites eines Tages noch eine Low-Cost-Variante des Drachens auf den Markt. Viele Maxi-Doperos, die man landauf, landab zu Gesicht bekommt, sind mit einer Mischung aus 12- und 14-Millimeter-Glasfaserrohr
ausgestattet und dennoch stabile Flieger.

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