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Tattoo you – Tattoo II von Invento

von Redaktion • 6.5.2009 • Kategorie: Bauen & Fliegen • Sport & Design Drachen bestellen

Als die Rolling Stones 1981 ihr 16. Album mit dem Namen Tattoo You veröffentlichten, dachte mit Sicherheit noch niemand daran, dass es eines Tages einen Stuntkite geben könnte, der auf den Namen Tattoo hört. Dennoch ist dieser Drachen aus der Entwicklungs­küche Michael Tiedtkes inzwischen ein Klassiker, der in seiner zweiten Auflage genauso wenig von seiner Attraktivität eingebüßt hat, wie der Stones-Hit „Start Me Up“.



Der Tattoo II besticht durch sein klares Segeldesign

Makellos – die Verarbeitung der Drachennase weist keinerlei störende Überstände auf

Die Stabtaschenausschnitte sind durch eine Lage Dacron verstärkt. Mit Hilfe der Knötchenleiter kann die Waage schnell und präzise getrimmt werden

Die Abspannung des Kielstabs erfolgt durch einen Klettverschluss

Der markante Aufdruck verleiht dem Tattoo II seinen Namen

Spike!

Durch das pfiffige Schleppkanten-Spannsystem kann der Tattoo II flüsterleise oder brummelnd eingestellt werden

Der ideale Tattoo-Pilot genießt es, bei leichtem Wind den Kite zu fliegen

Start Me Up – das soll der Startschuss sein und damit wollen wir gleich loslegen, den Tattoo II einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Schon beim ersten Betrachten des fili­­gran aufgebauten Kites wird klar, dass der Tattoo II nicht für die harten Küsten­winde, sondern viel eher für die schmeichelnden, sanften Binnenlandbrisen gebaut ist. Das Segel besteht aus dem leichten, feuchtigkeitsabweisenden, dehnungsarmen und nahezu luftundurchlässigen High-End-Polyestertuch Icarex PC31. Um Gewicht und überflüssige Nähte zu sparen, wurde dieses Segel aus nur drei, in Segelmachertechnik verbundenen Paneelen, gefertigt. Auch die Dacron-Verstärkungen in den Stab­kreu­zungszonen wurden eher klein gehalten und das mitten auf dem Segel prangende Tattoo, das unserem Testkandidaten seinen Namen gab, wurde nicht appliziert, sondern aufgedruckt.

Leichtgewicht

Gewichtsersparnis wurde auch beim Saum der Schleppkante groß geschrieben, in den eine trimmbare Saumschunr eingelegt ist, die es den Piloten erlaubt, den Tattoo II in leichtem Wind flüsterleise oder bei einer frischeren Brise sanft schnurrend zu fliegen. Dieser Saum wurde in klassisch-bewährter Weise geschlossen ausgeführt, während man sonst bei vielen aktuellen Modellen eine Einfassung mit Saumband vorfindet. Diese ließe sich zwar schneller herstellen, doch wäre sie deutlich schwerer. Auch bei den Leitkantenstabtaschen wurde darauf ge­­achtet, überflüssiges Gewicht zu vermeiden. Diese wurden statt aus Dacron aus einem kräftigen 42-Gramm-Spinnaker angefertigt. Lediglich im Bereich um die Ausschnitte für die bestens passenden und sorgfältig gestoppten Spreiz­verbinder wurde eine Dacron-Verstärkung aufgesteppt, sodass auch dann, wenn sich infolge eines harten Sturzes einmal ein Stopper lösen sollte, die Stabtasche gut geschützt ist und nicht reißen kann.

Das bis auf die unteren Spreizen, die aus 5 Millimeter starkem CFK-Rohr bestehen, durchgehend auf 4 Millimeter dünnen Kohlefaserrohren aufgebaute Gestänge des Tattoo II ist zwar leicht, doch jederzeit stabil genug, die ein oder andere kräftige Brise locker wegstecken zu können. Während des Tests strapazierten wir unseren Testdrachen bei durchaus kräftigem Wind um die 25 Stundenkilometer, ohne dass er sich beschwert – sprich: unwirsch mit den Flügeln geschlagen – hätte.

Perfekt getrimmt
Dass der Tattoo auch bei viel Wind stabil bleibt, verdankt der ausgesprochene Leichtwindkite seiner Gleitwaage, bei der ein dritter Schenkel entlastend im mittleren Bereich der Leitkante angreift. Diese Waage war von Haus aus sehr gut vorgetrimmt, ist aber bei Bedarf durch Knötchenleitern an den oberen Spreiz­verbindern schnell und präzise an den vorherrschenden Wind oder die persönlichen Vorlieben anzupassen. Während des Tests war solch eine Nachjustierung nur dann nötig, wenn der Wind zur Flaute zu werden drohte. Dann erzeugte der Tattoo II mit einer extrem flachen Waage­einstellung immer noch genügend Auftrieb, um an kurzen und leichten Leinen geflogen werden zu können.

Leichtwind ist das, wofür der Tattoo II gebaut ist. Dieser Drachen ist zwar in der Lage, auch bei kräftigem Wind seinen Dienst zu verrichten, doch so richtig Spaß aufkommen will erst, wenn die Brise zart ist. Dann wird aus dem schnellen, wild wirbelnden Kite ein Schwebedrachen, der ruhig über den Himmel gleitet, der ein angenehm großes Windfenster besitzt, der sich sanft an den Handschlaufen bemerkbar macht und allzeit bestens kontrollieren lässt. Auch wenn der Tattoo II in einem Windbereich von vier bis 25 Stundenkilometer geflogen werden kann, fühlt er sich doch zwischen 4 und 12 Stundenkilometer am wohlsten.

Schweben
Die Flugpräzision des Tattoo II ist für einen Kite seiner Größe ordentlich. Loopings werden bei leichtem Wind ebenso wie enge Spins mit nur minimaler Nachdrehneigung beendet und selbst aus knackig geflogenen, hart gesnapten Ecken kommt der Drachen aus der Rasteder Manufaktur mit einer recht geringen Tendenz nachzuwackeln. Im Trickseg­ment sollte man von einem Drachen dieser Zielsetzung nicht die allerheißesten, abgedrehtesten und wildesten Moves erwarten. Für diese ist der Tattoo II nicht konzipiert, hier fehlt es ihm schlichtweg an Schwungmasse. Selbst im Fade will er bei böigem Wind mit feinfühliger Hand gehalten und zum Backspin möchte er durch wohl dosierte Impulse überredet werden.

Seine echte Stärke vermag er dann auszuspielen, wenn man mit ihm die Klassiker des Trickflugs ausführt. Stalls, Sideslides, tellerflache Axels und 540er – all das zelebriert der Tattoo II in einer Weise, die fast schon in Vergessenheit geraten ist. Ein absoluter Genuss mit diesem Kite sind Slotmachines, die er auch multipel an­einandergereiht herrlich in Szene setzt. Alles in allem ist der Tattoo II ein Leichtwinddrachen der klassischen Schule, ein Kite, der lieber schwebt als zappelt, der lieber sanft geführt als hart geprügelt werden will und der seinen Piloten dafür mit purer Entspannung und Ausgeglichenheit belohnt.

Für wen gedacht?
Für wen ist der Tattoo II gedacht? Wer ist der ideale Tattoo-Pilot? Wer kann mit diesem Kite glücklich werden? Keine Frage! Dieser Drachen ist nicht für die Fraktion der Hardcore-Trickser gebaut, er ist kein schneller aggressiver Freestyler. Stattdessen ist er ein echter Schwebe­drachen, wie sie in den letzten Jahren (leider) sehr selten geworden sind. Der Tattoo II ist ein Kite, der für wenig Geld zur echten Wunderwaffe wird, wenn der Wind an einem lauen Sommerabend einschläft, der Pilot aber noch keine Lust hat, vom Strand oder von der Wiese nach Hause zu gehen. Mit diesem Drachen kann man in den letzten Sonnenstrahlen des Tags noch ein paar wunderbar friedliche und ruhige Augen­blicke verbringen, bei denen der Kite nicht durch die Leinen, sondern durch die Gedan­ken des Piloten gesteuert zu werden scheint. Der Tattoo II ist auf jeden Fall ein perfekter Dra­chen für Träumer und für Menschen, die gerne mit dem Wind schmusen.


Perfekt! Die Leitkanten werden über eingenähte Laschen und Waageschnurtampen gespannt


Der Tattoo II im Half Axel


Die verschraubten segelseitigen Stand-Off-Aufnahmen geben zuverlässig Halt und bieten keinerlei Überstände, an denen sich die Leinen verfangen können

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